Was gestern wirklich im Vatikan passierte

Hunderttausende Gläubige wollten gestern im Vatikan der Beisetzung von Papst Franziskus beiwohnen – für einige der anwesenden Politiker ging es um die Ukraine.

Donald Trump hielt Hof im Vatikan. Die Beerdigung von Papst Franziskus wurde fast zur Nebensache. Foto: ScS EJ

(KL) – Der Grund, aus dem Donald Trump die Reise nach Rom angetreten hatte, war nicht etwa die Beisetzung von Papst Franziskus, der dem POTUS ohnehin zuwider war, hatte sich der Mann doch zu Trumps Ärger für Migranten und andere Minderheiten eingesetzt. Im völlig unpassenden blauen Anzug wartete Trump ungeduldig darauf, im Vatikan Hof halten zu können. Zwar jubelten im Anschluss an die Trump’schen Treffen die üblichen Verdächtigen über einen vermeintlichen Neustart des festgefahrenen Ukraine-Kriegs, doch das ist wohl wie immer Wunschdenken.

Als „Ergebnis“ verkündete der französische Präsident Emmanuel Macron hinterher, dass die Ukraine nun zu einem bedingungslosen Waffenstillstand bereit sei. Das ist wenig überraschend, denn dass die martyrisierte Ukraine einverstanden ist, sich bedingungslos eine Weile nicht mehr in Schutt und Asche bomben zu lassen, ist nicht verwunderlich. Dazu betonte Macron zum gefühlt 238. Mal, dass es nun an Russland sei, seinen echten Friedenswillen zu beweisen, wobei man sich wie schon 237 Mal zuvor fragte, wie Macron eigentlich darauf kommt, dass Russland Frieden will.

Nach seinen Treffen im Vatikan erklärte dann Trump auf dem Rückflug nach Washington aus der Air Force 1 heraus, dass er ganz und gar nicht mit „Wladimir“ zufrieden sei, denn die Bombardierungen der Russen in der letzten Woche passen ihm nicht. Und dass er Putin gegenüber vielleicht doch eine andere Gangart anschlagen müsse, da er nun nicht mehr ausschließen könne, dass ihn der russische Präsident an der Nase herumführt.

Zurück zum Begriff „bedingungslos“. Die Ukraine ist nun also zu einem „bedingungslosen“ Waffenstillstand bereit. Dann kam gestern aber eine unerwartete Ansage aus Moskau. Der Kreml erklärte, dass Putin bereit sei, „bedingungslos“ mit der Ukraine über einen Waffenstillstand zu sprechen. Doch „bedingungslos“ ist eben nicht wirklich „bedingungslos“, denn erst muss Selenskyi das von ihm verhängte Verbot von Gesprächen mit Russland aufheben. Was dann bereits die erste, kleine Machtdemonstration Putins wäre.

Doch das, was nach einer möglichen Annäherung klingt, ist leider keine. Denn der Umstand, dass Putin angeblich „bedingungslos“ bereit sei, mit der Ukraine zu sprechen, bedeutet noch lange nicht, dass Russland auch bereit zu einem Waffenstillstand wäre. Denn die Bedingungen, die der Kreml längst formuliert hat und die bekannt sind, sind für die Ukraine unannehmbar, weswegen es zwar gut wäre zu sprechen, doch muss man sich darüber im Klaren sein, dass Selenskyi bei einem eventuellen Gespräch mit Putin ähnliches erleben könnte wie im Oval Office.

Ohne überhaupt über einen Frieden zu sprechen, sind die russischen Forderungen alleine schon für einen Waffenstillstand tatsächlich nicht annehmbar, wobei Trump mit seinen ständigen Aussagen dazu beiträgt, dass Russlands Forderungen immer mehr ausgeweitet werden. Nachdem der US-Präsident wiederholt erklärt hat, dass „die Krim russisch bleibt“, will der Kreml nun auch die militärisch (noch) nicht eroberten Teile der teil-annektierten ukrainischen Regionen haben, abgesehen davon, dass die Ukraine entwaffnet werden soll und auf keinen Fall in die NATO darf. Dass Moskau mit den USA spricht, ist eine Sache, denn dabei geht es im Zweifelsfall vor allem um „Deals“, die Trump gerne mit Russland machen würde. Doch von einem Waffenstillstand, geschweige denn einem Frieden, sind wir so weit entfernt wie zuvor.

Nun hat Donald Trump ausnahmsweise einmal in einem Punkt Recht – Putin führt ihn tatsächlich am Nasenring durch die Manege. Seine „bedingungslose“ Bereitschaft zu einem Gespräch bedeutet gar nichts, außer, dass er eine Gelegenheit erhält, Selenskyi die russischen Forderungen vorzubeten. Wenn es denn überhaupt zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyi kommen sollte. Es ist ebenso gut denkbar, dass wenn es zu einem ukrainisch-russischen Gespräch käme, beide Länder beispielsweise ihre Außenminister schicken. Das wäre eine harte Prüfung für den ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha, denn gegenüber würde mit Sergeij Lawrow der Talleyrand der Neuzeit sitzen.

Die täglichen, sich widersprechenden Wasserstandsmeldungen aus Washington sind für einen wie auch immer gearteten Annäherungsprozess an einen Waffenstillstand sehr schädlich. Dass Trump nun zur Abwechslung statt Selenskyi dem russischen Präsidenten droht, was soll es bringen? Der erratische Trump-Kurs, der zum Thema Ukraine ebenso undurchsichtig ist wie in seinem weltweiten Handelskrieg, bringt in der Tat nichts Positives.

Aber Trump wird in den nächsten Tagen maximalen Druck auf Selenskyi ausüben, damit dieser umgehend den „Ausplünderungs-Vertrag“ für die ukrainischen Bodenschätze unterschreibt. Dass sich Selenskyi bislang geweigert hat, die US-Leichenfledderei zu autorisieren, muss man ihm hoch anrechnen, doch das ändert nichts daran, dass die Situation auch trotz der Treffen im Vatikan festgefahren bleibt. Und daran wird sich trotz aller hübschen Erklärungen im Nachgang so schnell nichts ändern. Ach ja, gestern wurde im Vatikan auch Papst Franziskus zur letzten Ruhe gebettet. Aber das war schon fast eine Nebensache für die hohen Gäste.

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