Wasserstoff – der gemeinsame Wille ist vorhanden
Der erste „Europäische Wasserstoffgipfel“, der am Freitag in Straßburg stattfand, zeigte deutlich den grenzüberschreitenden Willen, gemeinsam voranzukommen.
Der bayerische Wirtschafts-Staatssekretär Tobias Gotthardt bei seinem sehr beachteten Vortrag. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0
(KL) – Der erste „Europäische Wasserstoffgipfel“, der am Freitag am Sitz der Region Grand Est in Straßburg stattfand, stieß weit über die Region hinaus auf großes Interesse. Dies zeigte sich bereits bei der Eröffnung des Gipfels durch den Minister für Hochschulbildung und Forschung Patrick Hetzel, den Präsidenten der Region Grand Est Franck Leroy, den baden-württembergischen Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann und den Generalsekretär für regionale und europäische Angelegenheiten der Präfektur Samuel Bouju. Und der Tag sollte halten, was er versprach.
Der vor drei Jahren von Pascal Houssais, dem Vorsitzenden des Straßburger Vereins „H2Strasbourg“ angestossene Gipfel wurde von Anfang an vom bayerischen Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt, dem Abgeordneten aus Haguenau Vincent Thiébaut und Minister Patrick Hetzel unterstützt, die sich ebenfalls seitdem für eine Annäherung zwischen der Region Grand Est und Bayern einsetzen. Später schlossen sich weitere Partner der Organisation dieses Gipfels an: „Pôle véhicule du futur“, „3h2“ und „Trion Climat“, sowie die Fachmediengruppe „GRK Médias“ und der Arbeitgeberverband MEDEF, aber auch die staatliche Energieagentur ADEME und ihr Präsident Sylvain Waserman. Das internationale Interesse dieses Gipfels wurde auch durch die Anwesenheit einer Delegation des Generalkonsulats der Vereinigten Staaten und des Generalkonsuls von Japan, Hiroyuki Uchida, deutlich.
Die erste Diskussionsrunde, die der Wasserstoffproduktion gewidmet war und vom Vizepräsidenten der Region Grand Est François Werner nach einem Beitrag von Philippe Boucly, dem Vorsitzenden von France Hydrogène, eröffnet wurde, sollte zeigen, dass die drei hauptsächlich an diesem Gipfel beteiligten Länder Frankreich, Deutschland und die Schweiz durchaus kompatible Ziele und Visionen haben. Die Ausführungen der Forschungsdirektoren des CNRS Philippe de Donato und Jacques Pironon von der Universität Lothringen, die im lothringischen Folschwiller das weltweit größte natürliche Wasserstoffvorkommen entdeckt haben, zeigten, dass es mehrere Methoden zur Herstellung von Wasserstoff gibt, die zusammen in der Lage sein sollten, die Nachfrage zu befriedigen, die in den nächsten Jahren explosionsartig ansteigen wird. Auch, wenn nicht alle Beteiligten die gleichen Strategien zur Wasserstoffversorgung verfolgen, ist klar, dass alle von der Entwicklung gemeinsamer und geteilter Ansätze profitieren werden. So sprach sich einer der Leiter des deutschen CNRS-Äquivalents, Robert Szolak vom Fraunhofer Institut, für eine Vertiefung des Austauschs mit den französischen Kollegen aus, und ein solcher Austausch könne das Standing der Region Grand Est und ihrer Partner als eines der europäischen Wasserstoffzentren nur begünstigen. Ähnlich äußerte sich Christelle Rouillé, die Leiterin von Hynamics, einer Tochtergesellschaft der EDF-Gruppe, die bereits auf dem deutschen und französischen Markt tätig ist und einen sehr interessanten Einblick auf einen deutsch-französischen Ansatz gab. Dr. Dirk Mulzer von den IWB-Werken in Basel brachte ebenfalls das Interesse an einem grenzüberschreitenden Ansatz zum Ausdruck, wies jedoch auf das Fehlen eines Rahmenabkommens mit den Nachbarn hin, das Fortschritte in diesem Bereich erleichtern könnte. Eine weitere Schweizer Sicht auf das Thema wurde von Ralph Dassonville von Alpiq dargestellt, der trotz des Fehlens eines solchen Rahmenabkommens dabei ist, Wasserstoff-Produktionszentren sowohl in der Schweiz als auch in Finnland zu errichten. Die Bemühungen der Experten in diesem Bereich zu bündeln, Kooperationen und Austausch zwischen ihnen aufzubauen, könnte unserer Region einen erheblichen Vorteil im „Wettlauf der Regionen gegen die Zeit“ verschaffen, denn derzeit versuchen viele europäische Regionen, sich in diesem Bereich zu positionieren.
Die zweite Diskussionsrunde, die sich den industriellen Anwendungen widmete, wurde vom bayerischen Staatssekretär Tobias Gotthardt eröffnet – und seine Botschaft war eindeutig. Die Schwerindustrie (Autos, Chemie etc.) und die schwere Mobilität haben einen enormen Bedarf an Wasserstoff, der derzeit wahrscheinlich der einzige Weg sein wird, um die Industrie zu dekarbonisieren. Das alles kann jedoch nur funktionieren, wenn die Kosten für Wasserstoff einen solchen Übergang rechtfertigen. Seine Worte wurden vom Direktor von H2Bayern, Dr. Fabian Pfaffenberger, und seiner Amtskollegin aus Baden-Württemberg, Isabelle Knüttgen, bestätigt. Beide vereinen in ihren Strukturen fast 600 Unternehmen, die sich im Bereich Wasserstoff engagieren, und tatsächlich ist die Nachfrage bereits groß und wird exponentiell steigen. Annegret Brauss von H2Energy Europe erläuterte die Unterschiede zwischen den Ansätzen in Deutschland und der Schweiz, während Charles Foncin, Beauftragter für Wasserstoff-Projekte der französischen Staatsbahn SNCF, und Dr. Stefan Gossens von der Schaeffler-Gruppe bereits von laufenden Projekten sprachen, wobei sie betonten, dass beispielsweise bei der SNCF Wasserstoff nicht die einzige Lösung sein werde.
Der dritte Runde Tisch wurde nach einem Beitrag des Abgeordneten von Haguenau Vincent Thiébaut von François Werner eröffnet, dem Vize-Präsidenten der Region Grand Est, und beschäftigte sich mit einem eher technischen Thema, nämlich dem Transport und der Lagerung von Wasserstoff, einer unabdingbaren Voraussetzung für die Sicherheit und zuverlässige Verfügbarkeit von Wasserstoff, die ihrerseits die Grundlage für den industriellen Einsatz im großen Bereich ist. Daniel Mercer, Direktor von Storengy, erläuterte die Möglichkeiten einer Lagerung in Salzstöcken, während Professorin Tabea Arndt vom KIT in Karlsruhe die verschiedenen Transportmöglichkeiten von Wasserstoff aufzeigte und den momentanen Forschungsstand in diesem Bereich präsentierte. Geoffrey Anger von GRTGaz und Maria Hagen von badenovaNETZE zeigten die aktuellen und künftigen Infrastruktur-Projekte für den Transport von Wasserstoff und insbesondere die aktuellen Fortschritte im Süden der Oberrhein-Region.
Das zahlreiche Publikum konnte feststellen, dass sich diese Akteure auf höchster Ebene darüber klar sind, dass man schneller und besseer Fortschritte machen kann, wenn die Zusammenarbeit vertieft wird. Denn heute muss man noch feststellen, dass die meisten Akteure in diesem Bereich ihren eigenen Weg verfolgen, aber gleichzeitig den Willen ausdrücken, gemeinsam Fortschritte zu machen. Der Straßburger Gipfel konnte hierfür sicher wichtige Impulse liefern.
Die Zusammenfassung des Tages lieferte der Präsident der staatlichen Energiebehörde ADEME und frühere Vize-Präsident der französischen Nationalversammlung Sylvain Waserman, der den Organisatoren und insbesondere dem Initiator des Gipfels Pascal Houssais und dessen Verein „H2Strasbourg“ dankte und dabei unterstrich, wie wichtig das Engagement der Zivilgesellschaft in diesem Themenbereich ist, womit er auch die Erklärung von Minister Patrick Hetzel bestätigte, der sich ebenfalls in diesem Sinne geäußert hatte.
Und wie geht es weiter? Weiter geht es im Jahr 2025. Angesichts der Bedeutung dieser Art des Austauschs auf höchster Ebene von Politik, Wissenschaft und Industrie wird es auch einen nächsten „Europäischen Wasserstoffgipfel“ geben – der genauso europäisch sein wird wie dieser erste Gipfel! Geht es weiter? Weiter geht’s!
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