Wenn der Wahnsinn zur „Normalität“ wird…

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stimmt sein Land auf eine aktive Kriegsbeteiligung ein. Damit will er allerdings nicht unbedingt der Ukraine helfen, sondern vor allem sich selbst.

Auch das Straßburger Krankenhaus Hautepierre soll ich jetzt auf die Aufnahme verwundeter französischer Frontsoldaten vorbereiten. Foto: Jean-René Gousset / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

(KL) – Es hätte eine „Fake News“ sein können, ja, man hätte sich fast gewünscht, dass es eine gewesen wäre. Doch die Information wurde von mehreren seriösen Medien bestätigt, die Einblick in ein Schreiben hatten, das vom französischen Gesundheitsministerium (natürlich auf Befehl des Herrschers) an die regionalen Gesundheitsbehörden ARS verschickt wurde. In diesem Schreiben wird detailliert aufgeführt, wie sich die französischen Krankenhäuser für die Aufnahme von „an der Front verwundeten Soldaten“ vorzubereiten haben.

Dieses Schreiben fordert die ohnehin bereits gnadenlos überforderten Krankenhäuser auf, sich auf zwei Szenarien vorzubereiten. Zum einen sollten die Krankenhäuser in der Lage sein, zwei Monate lang täglich 100 verwundete Soldaten aufzunehmen und diese zu versorgen, zum anderen sollen sich die Krankenhäuser auf Spitzenauslastungen von täglich 250 verwundeten Soldaten während drei aufeinanderfolgenden Tagen vorbereiten.

Abgesehen davon, dass die französischen Krankenhäuser nur noch deshalb funktionieren, weil chronisch unterbezahlte Ärzte und das nicht ausreichende Pflegepersonal teils übermenschliche Leistungen erbringen, muss man sich natürlich die Frage stellen, warum die Regierung eine solche Anweisung durch das ganze Land schickt. Natürlich geht es dabei darum, die Bevölkerung auf einen Kriegseintritt Frankreichs vorzubereiten, auch, wenn die Regierung etwas anderes sagt. Hier verweist man auf die Kriege in der Ukraine und in Gaza und die Möglichkeit, dass sich diese Kriege „auch Frankreich nähern“. Zumal Macron ja bereits festgestellt hat, „dass die Bestie vor unseren Grenzen steht“. Ein Blick auf Frankreichs Nachbarstaaten Spanien, Italien, die Schweiz, Deutschland, Belgien und Luxemburg zeigt zwar, dass sich dort weit und breit keine „Bestie“ befindet, aber in Zeiten der politischen Kommunikation ist das zweitrangig.

Solange sich die „Koalition der Willigen“ zu ihren Sandkastenspielen trifft und von Sicherheits-Garantien und anderen Dingen phantasiert, die sofort nach einem Waffenstillstand oder Friedensabkommen greifen sollen (wobei es selbst den „Willigen“ inzwischen dämmert, dass es auf lange Zeit weder Waffenstillstand, noch Friedensabkommen geben wird), können sie nicht allzu viel Schaden anrichten. Doch die meisten dieser „willigen“ Staats- und Regierungschefs haben ein gemeinsames Problem – sie haben ihre Länder nicht mehr im Griff und werden von den eigenen Bevölkerungen abgelehnt. Da ist so ein Krieg eine schöne Gelegenheit, von den Problemen im eigenen Land abzulenken.

Vielleicht nimmt sich Macron auch ein Beispiel an seinem Freund Selenskyi. Denn eigentlich muss in Frankreich 2027 ein neuer Präsident gewählt werden und Macron darf sich kein drittes Mal zur Wahl stellen. Anders sähe es natürlich aus, wenn sich Frankreich 2027 ganz offiziell im Krieg befände, denn im Krieg werden keine Wahlen abgehalten. Ob das der Grund ist, warum Macron unbedingt französische Soldaten in der Ukraine kämpfen sehen will? Junge Franzosen in Uniform opfern, um sich länger an der Macht halten zu können? Zuzutrauen wäre dem Mann einiges, warum nicht auch eine solche Option?

Inzwischen werden die zahllosen und nicht enden wollenden Konferenzen und Gipfel zu einer Art Beschäftigungstherapie in einem kleinen Zirkel für Politiker, die auf nationaler Ebene vollkommen versagt haben, aber die bei diesen Treffen noch „Mr. Wichtig“ spielen können. Sie können tagelang untereinander diskutieren, sie können monatelang dem US-Präsidenten hinterher schleimen, der immerhin ein verurteilter Straftäter ist und seit Amtsantritt die Weltwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert, nur erreichen sie dabei nichts. Denn Putin wird seinen Krieg fortführen und weiter intensivieren, mit der Unterstützung der halben Welt, die hinter ihm und nicht hinter dem Westen und der Ukraine steht. Daher sind die ganzen schönen Pläne von Sicherheitsgarantien Makulatur, bescheren den „Willigen“ aber hübsche Dienstreisen, Medien-Aufmerksamkeit und eben das Gefühl, wichtige Akteure der Weltpolitik zu sein. Dass sie das nicht sind, sieht jeder, bis auf sie selbst, doch da sie sich ausschließlich unter ihresgleichen bewegen, fällt ihnen gar nicht mehr auf, wie hochgradig peinlich ihre verbalen Muskelspiele und unrealistischen Pläne sind.

Nun sollen sich also die französischen Krankenhäuser auf die Aufnahme verwundeter, französischer Frontsoldaten vorbereiten. Und plötzlich versteht man, warum in Frankreich immer mehr Menschen ein Absetzungsverfahren gegen diesen Präsidenten fordern, bevor es wirklich so weit kommt, dass die Franzosen ihre Kinder im Krieg sterben sehen. Wer sich heute noch fragt, wie es eigentlich zu den ersten beiden Weltkriegen kommen konnte, der muss sich nur die Situation heute anschauen. Weltkriege werden nie von Völkern gestartet, sondern immer nur von ein paar Dutzend verhaltensgestörter Politiker, die sich davon einen persönlichen Nutzen versprechen. Die einzige Möglichkeit, so etwas zu verhindern, wäre es, sich diesem Wahnsinn zu verweigern. Das allerdings wäre das erste Mal in der Geschichte, dass sich ein Volk seinen kriegsgierigen Führern verweigert.

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