Wenn jemand eine Reise tut…

Wenn jemand eine Reise tut...

Kommt er? Pünktlich? Oder nicht? Wer kann das schon sagen... Foto: Rolf Heinrich, Köln / Wikimedia Commons / CC-BY 3.0

(KL) – Zugfahren in Deutschland wird immer mehr zum Abenteuerurlaub und Fahrpläne sind nicht viel mehr als Absichtserklärungen, an die man glauben kann oder eben auch nicht. 37,5 % der Fernzüge waren 2024 in Deutschland mit Verspätung unterwegs, also mehr als jeder dritte Zug. Das allerdings hält die Bahnvorstände nicht davon ab, sich insgesamt rund 9 Millionen € offener Boni zusätzlich zu ihren ohnehin schon üppigen Gehältern auszuzahlen und nüchtern zu erklären, die inzwischen notorische Unpünktlichkeit läge an der veralteten Infrastruktur, an Baustellen und an Wetterkapriolen. Und da kann ja offensichtlich niemand etwas dafür.

Seien wir positiv – die Pünktlichkeitsbilanz der Deutschen Bahn liegt im Regional- und Nahverkehr bei rund 90 %, da läuft es besser. Aber wer eine längere Fahrt unternehmen will, sollte sich darauf einstellen, dass die Chancen 1:3 stehen, dass man seinen Anschluss verpasst, wenn man umsteigen muss oder eben einfach unpünktlich ankommt.

Das Argument der Infrastruktur steht allerdings auf wackeligen Füssen. Wer in der Bäckerei ein Brötchen kauft, akzeptiert auch nicht, wenn jedes dritte Brot schwarz verkohlt ist, vor allem, wenn man es trotzdem bezahlen muss. In diesem Fall wäre wohl auch die Erklärung, dass der Backofen veraltet sei, nicht so richtig zufriedenstellend.

Diese Unpünktlichkeit 2024 stellte sogar einen Rekord dar. Seit Statistiken zur Pünktlichkeit seit Anfang des Jahrhunderts aufgezeichnet werden, war die Bahn noch nie unpünktlicher als heute. Und wenn die Infrastruktur veraltet ist, dann muss eben in sie investiert werden. Dabei geht es um Zuverlässigkeit und Sicherheit der Bahnreisenden – wer den Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern will, der muss dafür sorgen, dass dies auch möglich ist. Bei einer so hohen Unpünktlichkeit ist der Zug damit aber keine wirkliche Alternative mehr, es sei denn, man hat genug Zeit für solche Abenteuertouren, bei denen man spät abends in Hamm (Westfalen) strandet.

Angesichts solcher unzureichenden Leistungen sollten die Bahnvorstände ihre Boni nach unten korrigieren und auch ein streikfreies Jahr wäre mal ganz angenehm. Es kann nicht sein, dass die einzigen, die den Gürtel enger schnallen und den Erwartungshorizont nach unten korrigieren müssen, die Bahnkunden sind. Unglaublich – einer von drei Fernzügen fährt unpünktlich!

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