Wenn Tanken zum Luxus wird

Die Kraftstoffpreise gehen durch die Decke und die Tendenz geht in Richtung 3 € pro Liter. Bevor es dann an die 4 €-Schwelle geht. Und irgendwann explodiert das soziale Pulverfass.

Es wird nicht mehr lange dauern, dass sich viele Autofahrer keinen Treibstoff mehr leisten können. Und dann? Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Die von Trumps Krieg gegen den Iran ausgelöste, weltweite Energiekrise birgt einen enormen sozialen Sprengstoff. Gestern, rechtzeitig zur Rückreisewelle nach dem Osterwochenende, verfügte durchschnittlich eine Tankstelle von fünf in Frankreich nicht mehr über alle Treibstoffarten und in der Pariser Region kostete der Liter Diesel bis zu 2,72 €. Überall steigen die Energiepreise auf unbekannte Höhen und es ist kein Ende dieser Preisexplosion in Sicht. Trump hat die Büchse der Pandora geöffnet und seine einzige Strategie ist es, den Iran „in die Steinzeit“ bomben zu wollen und das ohnehin leidende iranische Volk noch weiter zu quälen.

Bei seiner schier unerträglichen Pressekonferenz gestern Abend war Trump derartig von seiner eigenen Großartigkeit besoffen, dass er etwas mehr preisgab, als er eigentlich erzählen wollte. So sagte er, dass er durchaus für ein Mautsystem für die Straße von Hormuz sei, allerdings unter amerikanischer Kontrolle, denn „dem Sieger steht die Beute zu“. Zwar hat er den Krieg im Iran noch nicht gewonnen, aber es wird klar, warum Trump kein Problem mit den explodierenden Energiepreisen hat – denn künftig will er mit seiner Familie und seinen Milliardärsfreunden am weltweiten Energietransport mitverdienen. Je teurer die Energie, desto mehr verdient Trump mit seinem Clan.

Dass er dazu behauptete, dass das Mullah-Regime heute „wesentlich vernünftiger“ sei, ist wieder eine der typischen Trump-Lügen. Das Regime im Iran exekutiert täglich Oppositionelle und kontrolliert das Land mit eiserner Faust – von „wesentlich vernünftiger“ kann keine Rede sein.

Höchst bedenklich ist auch, dass Trump bei dieser Pressekonferenz gestern deutlich das Internationale Recht durch das Recht des Stärkeren ersetzte. Vermutlich reichen seine intellektuellen Fähigkeiten nicht so weit, dass er erkennt, dass er damit Putin einen Blankoscheck für dessen Aktionen in der Ukraine ausgestellt hat und sogar für Xi Jinping, wenn dieser nach Taiwan greift. „The winner takes it all“, das Internationales Recht und selbst die Genfer Konvention haben für Trump keinerlei Gültigkeit mehr.

Dass sich Trump bei dieser Pressekonferenz in seiner üblichen Babysprache nicht verkneifen konnte, seine inzwischen schon lächerlichen Lügennarrative herunter zu beten, das zeigt, dass der Mann tatsächlich nicht ganz richtig tickt. Erneut jammerte er, dass er den Friedensnobelpreis verdient hätte, was in einer Situation, in der Trump gerade den III. Weltkrieg lostritt, geradezu pervers ist; er jammerte über die ausbleibende Unterstützung der NATO, Australiens, Südkoreas oder auch Japans für seinen Angriffskrieg; er log, dass ihn die Iraner bitten würden, weiter ihr Land zu bombardieren (als ob Trump mit den leidenden Menschen im Iran sprechen würde, am Vortag der angedrohten und völkerrechtswidrigen Zerstörung der Energie- und Verkehrsinfrastrukturen des Iran) und bei jedem seiner niveaulosen Auftritte wird deutlicher, dass dieser Mann momentan die größte Gefahr für unseren Planeten darstellt.

Natürlich sind die Europäer momentan nicht in Kriegshandlungen an der Seite der Amerikaner engagiert und das ist sehr gut so. Und dennoch wird es nicht mehr lange dauern, bis die explodierenden Preise in Europa zu Reaktionen führen werden. Als 2018 die „Gelbwesten“ in Frankreich auf die Straße gingen und bis zur Covid-Epidemie jedes Wochenende die französichen Städte in Brand setzten, lag der Preis für einen Liter Diesel bei 1,60 €. Die Vorstellung, dass die Menschen nun klaglos einen Literpreis von 2,72 €, 3 € oder bald 4 € schlucken, ist illusorisch. Ganz Europa muss sich auf soziale Auseinandersetzungen einstellen, die irgendwann auch nicht mehr mit Polizeigewalt unterdrückt werden können.

Wer gestern Abend die Pressekonferenz von Donald Trump gehört hat, der muss zu dem Schluss kommen, dass jede Art der Zusammenarbeit mit diesen USA nicht mehr möglich ist. Bis es einen neuen Präsidenten in Washington gibt, der nicht aus der MAGA-Sekte stammt, sollte jede Zusammenarbeit, wirtschaftlich, politisch und militärisch mit den USA eingestellt werden. Mit diesem verhaltensgestörten Präsidenten wird es keinen Frieden auf der Welt geben und gleichzeitig sorgt der Mann dafür, dass die nächsten Jahrzehnte ebenfalls von Konflikten und Krisen geprägt sein werden. Europa muss endlich einen Strich unter die Kooperation mit diesen USA ziehen. Das wird nicht ganz einfach sein, aber immer noch besser, als diesem Wahnsinnigen sehenden Auges in den III. Weltkrieg hinterher zu stolpern.

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