Wer wird Chef im amerikanischen Altenheim?

Das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden wurde zum Desaster für den amtierenden Präsidenten. Die Demokraten müssen nun überlegen, ob sie ihren Kandidaten nicht besser austauschen.

Ein verwirrter Greis oder ein verurteilter Straftäter soll im November "mächtigster Mann der Welt" werden... Foto: krassotkin / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0

(KL) – Morgen müssen sich die Franzosen im ersten Wahlgang ihrer vorgezogenen Parlamentswahlen zwischen drei politischen Formationen entscheiden, die eigentlich niemand wählen will. Doch was sollen da erst die Amerikaner sagen? Das erste TV-Duell zwischen Präsident Joe Biden und seinem Herausforderer Donald Trump zeigte deutlich auf, dass keiner von beiden in der Lage ist, die USA ab November für vier Jahre zu führen. Blöd ist dabei nur, dass viele der aktuellen Weltprobleme, die uns direkt betreffen, von der US-Präsidentschaftswahl im November abhängen.

Was für ein Duell! Auf der einen Seite ein bedauernswerter Greis, dessen Aussetzer nicht mehr zu kaschieren sind, der mitten in seinen Sätzen den Faden verliert, um dann noch irgendetwas Unverständliches hinterherzunuscheln und minutenlang ins Nirwana zu starren, und auf der anderen Seite ein verurteilter Straftäter, fast genauso alt wie der Amtsinhaber, der mit seinen Anschuldigungen und Lügen trotzdem neben Biden wie ein Staatsmann wirkt. Regierungsfähig, so das Fazit der meisten amerikanischen Fernsezuschauer, ist im Grunde keiner der beiden.

Die beiden beleidigten sich herzhaft, führten eine ernsthafte Debatte darüber, wer einen Golfball weiter schlagen kann als der andere und in diesen verbalen Gemächtvergleich platzten immer wieder diese fürchterlichen Aussetzer von Joe Biden. Die Vorstellung, dass ab November einer dieser beiden der „mächtigste Mann der Welt“ werden soll, ist haarsträubend.

Nachdem das TV-Duell so katastrophal ablief, sind konkrete Diskussionen bei den Demokraten ausgebrochen, ob man den sichtlich nicht mehr amtsfähigen Joe Biden nicht kurz vor der offiziellen Nominierung der Kandidaten austauschen sollte. Dies setzt allerdings die Einsicht bei Joe Biden voraus, dass er wirklich nicht mehr in der Lage für eine weitere Amtszeit ist, denn ein Austausch des Kandidaten wäre nur bei einem frewilligen Rückzug Bidens möglich, da er bei den Vorwahlen der Demokraten genug Stimmen der Wahlmänner gewonnen hat, um nominiert zu werden. Mehrere Ersatzkandidaten sind in der Verlosung, wie beispielsweise Vizepräsidentin Kamala Harris, die Gouverneurin von Michigan Gretchen Whitmer oder auch der Gouverneur von Kalifornien Gavin Newson. Nur, keiner dieser möglichen Kandidaten kann für die Präsidentschaftswahl aufgestellt werden, so lange Biden nicht verzichtet.

Und Joe Biden scheint die allgemeine Ansicht seiner Amtsunfähigkeit nicht zu teilen. Im Gegenteil, nach seinem katastrophalen Auftritt beim TV-Duell zeigte er sich zufrieden mit seiner Vorstellung und feierte in einem Waffelrestaurant.

Man könnte sich nun fast amüsiert zurücklehnen und das US-Drama als Zuschauer verfolgen, hätten die amerikanischen Wahlen nicht so weitreichende Auswirkungen auf den Rest der Welt. Das erkennt man alleine schon am Ukraine-Konflikt, in dem den USA eine entscheidende Rolle zukommt, für die man sich weder einen verwirrten Greis, noch einen verurteilten Straftäter und notorischen Lügner an der Spitze der USA wünscht.

Wie in anderen Ländern der Welt müssen sich auch die USA die Frage stellen, wie verrottet ihr politisches System ist, dass es zu so unsäglichen Duellen wie Biden-Trump kommen kann. Die beiden sind mit Sicherheit nicht die besten der 330 Millionen Amerikaner, ebenso wenig die die Kandidaten bei der Wahl in Frankreich das Beste wären, was Frankreich aufbieten kann.

Die Demokratie stößt leider an ihre Grenzen, wenn die Stunde der Parteiapparate, der Wahlkampf-Finanzierung und der persönlichen Machtgeilheit schlägt. Dass in den nächsten Jahren das Wohl und Wehe der Welt von einem dieser beiden völlig ungeeigneten Kandidaten abhängen soll, ist eine Vorstellung, bei der einem Angst und Bange werden kann.

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