Wie aus Stuttgart 21 jetzt Stuttgart 31 wurde
Das pharaonische Projekt des unterirdischen Bahnhofs in Stuttgart ist die wohl größte Geldvernichtung in der jüngeren deutschen Geschichte. Und das Drama ist noch lange nicht vorbei.
Über ein Jahrzehnt Verspätung, das Budget um 500 % überschritten - "S21" ist ein einziger Skandal. Foto: JanDragon / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int
(KL) – Eigentlich sollte der Stuttgarter Tiefbahnhof „Stuttgart 21“ schon 2019 an den Start gehen. Dass dieses Ziel um mindestens ein Jahrzehnt verfehlt wird, dass gleichzeitig die Kosten um runde 500 % explodierten und dass bis heute kein Termin für die Inbetriebnahme feststeht, ist einer Kette des kollektiven Versagens zuzuschreiben, bei der schiefging, was nur schiefgehen kann.
Einige der „Rechtfertigungen“ der Verzögerungen klingen abenteuerlich. So führt die Bahn an, dass bei verschiedenen Dienstleistern nicht ausreichend Miitarbeiter zur Verfügung standen und einzelne Teilprojekte, wie die Digitalisierung des Schienennetzes, wurden von der Deutschen Bahn selbst gekippt – so wurde die zuständige Abteilung schlicht und ergreifend aufgelöst, was wiederum Stress beim Dienstleister Hitachi auslöste, von dem es heißt, dass er das Projekt nur aufgrund des Versprechens von Folgeaufträgen übernommen habe. Dazu kommen unglaubliche technische Pannen, die dazu führen, dass bestimmte technische Einrichtungen momentan bereits wieder abgebaut werden, noch bevor die Anlage in Betrieb genommen wurde.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Rechenkünstler der Deutschen Bahn das Projektvolumen so falsch berechnet haben, dass die Kosten inzwischen um rund 500 % über den projektierten Kosten liegen. Man erinnert sich daran, dass es zum „S21“ eine Volksabstimmung gab, bei der die Baden-Württemberger gefragt wurden, ob sie mit diesem Projekt für 2,6 Milliarden Euro einverstanden wären. Das war dann auch eine Mehrheit, doch ist mehr als fraglich, ob die Baden-Württemberger mit „Ja“ gestimmt hätten, wenn die bis heute bereits erreichten 11,4 Milliarden Kosten aufgerufen worden wären.
Aber gut, die Deutsche Bahn hat jetzt ambitionierte Ziele. Bereits in diesem Jahr will sie einen Zeitplan vorlegen, wann und wie die ganze Anlage in Betrieb genommen werden soll. Über den Daumen schätzt man 2030, aber das hängt noch von vielen Dingen ab. Und so könnte es tatsächlich gut sein, dass aus „Stuttgart 21“ dann doch „Stuttgart 31“ wird…
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