Wie schade!

Die Situation rund um den Torhüter des SC Freiburg Noah Atubolu ist eskaliert. Und plötzlich steht das Freiburger Eigengewächs ohne Verein da und einen Weg zurück gibt es nicht.

Wie schade, dass die Beziehung zwischen dem SC Freiburg und Noah Atubolu so endet... Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0

(KL) – Die großartigen Erfolge des SC Freiburg der letzten Jahre sind auch mit dem Namen Noah Atubolu verbunden. Der in Freiburg geborene Torhüter hatte nicht nur die Jugendmannschaften des Sportclubs durchlaufen, dazu stand das Supertalent auch in den deutschen U17-, U19-, U20- und U21-Nationalmannschaften. 124 Spiele bestritt der Keeper für die Profimannschaft des Sportclubs und war bereits auf dem Sprung in die A-Nationalmannschaft. Sein Wunsch, nach England in die Premier League zu wechseln, hat sich überraschenderweise zerschlagen, der Sportclub hat mit Mio Backhaus von Werder Bremen einen ebenso talentierten Nachfolger verpflichtet und Noah Atubolu steht plötzlich ohne Verein, aber noch mit einem Vertrag in Freiburg bis 2027 da – den er auf der Tribüne absitzen wird, wenn sich nicht noch ein Verein findet, der bereit ist, die ziemlich hohe Ablöse zu bezahlen, die irgendwo zwischen 20 und 25 Millionen Euro liegen dürfte.

Atubolu hat sich verzockt“, hört man in Freiburg und dazu wirft man ihm vor, er habe sich während der Gespräche „respektlos gegenüber seinem Ausbildungsverein verhalten“. Eigentlich wollte Atubolu nach Newcastle wechseln, zum Verein von Nick Woltemade, doch das Interesse des englischen Clubs erkaltete aus unerfindlichen Gründen und nun hofft Atubolu, dass sich noch ein anderer englischer Topverein meldet. Doch ob das passiert, steht in den Sternen.

Dass der Verein angesichts des Wechselwunschs von Atubolu reagierte und einen gleichwertigen Ersatz verpflichtete, ist nicht nur verständlich, sondern geradezu die Aufgabe des Vereins, der nicht warten konnte, wann, wie und ob sich Atubolu entscheidet, denn der SC Freiburg spielt auch in der nächsten Saison europäisch und konnte es sich nicht leisten, zu Beginn der Saison auf der so wichtigen Torhüter-Position ohne Topmann dazustehen. Dass für den Verein damit das Thema Atubolu durch ist, hat sich der Torhüter selbst zuzuschreiben.

Andererseits darf man auch nicht blauäugig sein – Noah Atubolu ist Fußball-Profi, dessen Karriere nur eine überschaubare Anzahl Jahre dauern wird (nicht jeder Torhüter kann bis 40 spielen wie Neuer…) und dass er dorthin wechseln möchte, wo er deutlich mehr verdienen kann als in Freiburg, wer will es ihm verdenken?

Nur hat sich Atubolu dabei aber nicht sehr geschickt angestellt. Ein Spieler, der wechseln will, sollte erst ein konkretes Angebot vorliegen haben, dann müssen die Vereine über die Ablöse-Modalitäten verhandeln und dann kann ein Wechsel vollzogen werden. Genau diese Reihenfolge wurde wohl im Fall Atubolu nicht eingehalten und Fakt ist, dass momentan beim SC Freiburg kein Angebot eines englischen oder anderen Vereins vorliegt, der bereits wäre, die hohe, aber durchaus angemessene Ablöse zu zahlen.

Noah Atubolu, Publikumsliebling der Freiburger Fans, hat noch einen Vertrag bis 2027 und sollte sich in diesem Sommer kein Verein manifestieren, der den Keeper verpflichten will, spielt er in der nächsten Saison nicht, sondern sitzt seinen Vertrag auf der Tribüne ab, was für Atubolu ein massiver Karriereknick wäre und seine Attraktivität für andere Verein deutlich schmälern würde. Der Torhüter Nummer 1 der Freiburger in der neuen Saison ist Mio Backhaus und die Rolle als Torhüter Nummer 2 oder 3 ist für einen Keeper wie Atubolu keine Option. „Er kann maximal beim Training mitmachen“, heißt es beim Verein.

Zwar hofft Atubolu noch darauf, Angebote vom FC Liverpool, dem FC Chelsea oder Aston Villa zu bekommen, doch hat man den Wirbel um den Torhüter auch auf der Insel mitbekommen und den von „Transfermarkt“ aufgerufenen Marktwert des Spielers von 25 Millionen Euro wird wohl unter diesen Umständen kein Verein bezahlen. Gerüchteweise interessiert sich der AC Mailand dafür, Atubolu als Ersatzmann für den französischen National-Torhüter Mike Maignan zu verpflichten, doch auch das erscheint unrealistisch – Atubolu will spielen und nicht auf einer noblen Ersatzbank versauern.

Dass so eine lange „Liebesbeziehung“ zwischen dem Verein und dem Torhüter so schlecht endet, ist wirklich schade. Wünschen wir Noah Atubolu, dass er noch einen Verein findet, in dem er spielen und sich weiter entwickeln kann und gleichzeitig wünschen wir der neuen Nummer 1 Mio Backhaus viel Erfolg in Freiburg!

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