Wie verblendet muss man eigentlich sein…

… um die rechtsextreme AfD wählen zu wollen? Trotz aller katastrophalen Beispiele, wohin Neonationalismus führt, liegt die AfD in den bundesweiten Umfragen wieder vorne.

AfD-Chefin Alice Weidel ist enttäuscht von Orbans Niederlage – aber sie tröstet sich damit, dass ihre Partei die Nummer 1 in Deutschland ist. Foto: Elekes Andor / Wikimedia Commons / CC-BY 4.0int

(KL) – Um festzustellen, dass die Neonationalisten dieser Welt dieselbe gerade in den Abgrund führen, muss man kein Nobelpreisträger sein. Es reicht, dass man die Nachrichten schaut und auch nur 5 Minuten nachdenkt. Doch das ist offensichtlich für 26 % der Bundesbürger schon eine unüberwindbare Hürde – in den Umfragen geben sie an, dass sie für die AfD stimmen wollen und damit ist die rechtsextreme Partei wieder die stärkste Partei in Deutschland, während Bundeskanzler Merz einen Negativrekord nach dem anderen aufstellt.

Wir schütteln den Kopf über den Trump’schen Wahnsinn; wir applaudieren den Ungarn, weil diese ihren Autokraten in den Ruhestand geschickt haben; wir protestieren gegen Nethanjahu, weil dieser einen höchst zweifelhaften Krieg im Süd-Libanon führt; wir geben pharaonische Summen für den Kampf gegen Putin aus und diese Liste ließe sich fortführen. Und dennoch sagt mehr als ein Viertel der Bundesbürger, dass sie bei der nächsten Wahl die AfD wählen wollen. Dabei ist die AfD nichts anderes als eine Orban-kompatible Partei, die es nicht mal auf die Reihe bringt, so etwas wie ein ernsthaftes Programm auf die Beine zu stellen – klar ist nur, dass die AfD stramm auf der Seite Trumps und auf der Seite Putins steht und bis Sonntag auch auf der von Viktor Orban stand. Und das reicht, um Deutschlands Partei Nummer 1 zu werden?!

Jetzt könnte man sagen, dass die Wahlergebnisse in vielen europäischen Ländern darauf hinweisen, dass es in allen diesen Ländern rund ein Viertel der Wählerschaft gibt, das rechtsextremen und teilweise neonazistischen Ideen anhängt. Aber muss man das tatsächlich hinnehmen? Reicht das Argument „die waren noch nie an der Macht“ tatsächlich aus, um eine Wiederholung der Geschichte zu legitimieren?

Was bitteschön haben rechtsextreme Parteien je anderes gebracht als Krieg, Hass und Zerstörung? Wann haben rechtsextreme Parteien je einem Land Positives gebracht? Wann haben rechtsextreme Parteien Frieden und Wohlstand für alle propagiert? Reichen die aktuellen Beispiele der Weltpolitik nicht aus, um den Neonationalismus endgültig ins Aus zu wählen?

Die AfD, aber auch andere rechtsextreme Parteien in Europa, von der schrägen Wilders-Truppe in den Niederlanden bis zum jungschen Jordan Bardella, der wohl bei der nächsten Präsidentschaftswahl für das rechtsextreme Rassemblement-ex-Front National in Frankreich antreten wird, da Marine Le Pen von Gerichts wegen nicht kandidieren darf, haben eindeutig Rückenwind und den haben sie nur deshalb, weil es Menschen gibt, die Ideen aus dem letzten Jahrhundert chic finden. Rechtsextremismus ist keine Naturkatastrophe wie ein Tsunami – dass man den dumpfen Neonationalismus an der Wahlurne stoppen kann, das haben die Ungarn am letzten Sonntag gezeigt.

Wer rechtsextrem wählt, der bekommt rechtextrem, mit allen dazugehörigen Folgen. Wie das aussieht, das erkennt man leicht in den USA, wo ultranationalistische Wahnsinnige dabei sind, nicht nur das eigene Land in einen antidemokratischen Horror zu verwandeln, sondern auch die ganze Welt mit Krieg zu überziehen. Und das finden AfD-Wähler toll? Sind die AfD-Wähler tatsächlich ebenso beschränkt wie die MAGA-Sekte?

Und merken die AfD-Wähler wirklich nicht, wie sie von den Parteioberen belogen und manipuliert werden? Sind wir wirklich nicht schlauer als die amerikanischen Wählerinnen und Wähler?

Bei den nächsten Wahlen sollte man sich an das ungarische Volk erinnern, das gezeigt hat, dass man rechtsextremen Wahnsinn relativ leicht stoppen kann – es reicht, nicht für diese Formationen zu stimmen. Aber so, wie es heute aussieht, begreifen das die ewig-zu-kurz-gekommenen AfD-Wähler nicht. Doch die Vorstellung, dass eines Tages die AfD in Deutschland das Sagen hat, die ist ebenso beunruhigend wie die Frage, was dem verhaltensgestörten US-Präsidenten als nächstes einfällt. Vielleicht wäre es eine gute Idee, wenn rechtsextreme Wähler aufhören würden, für die eigenen Brandstifter zu stimmen – denn nichts Gutes kann aus einer AfD-Stimme werden.

Zu Illustration des ganzen Elends hier noch die Zahlen: In den Umfragen liegt die AfD momentan bei 26 %; die CDU/CSU bei 24 %; Die Grünen 15 bei %; die SPD bei 12 %; Die Linke bei 11 % und die FDP bei 4 %. Es wird Zeit, dass den anderen Parteien etwas Neues einfällt. Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch.

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