„Wir haben unsere zwei Jahre Vorsprung verspielt“

In diesem Interview spricht Pascal Houssais, Vorsitzender des Vereins „H2Strasbourg“, über die Gründe, die zur Verschiebung des 2. Gipfels „Wasserstoff ohne Grenzen“ geführt haben.

Pascal Houssais kämpft für eine Energie-Ressource, die den Königsweg im Kampf gegen den Klimawandel darstellen könnte. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0

(KL) – Pascal Houssais, Vorsitzender des Vereins „H2Strasbourg“, der gemeinsam mit Partnern den sehr erfolgreichen Gipfel „Wasserstoff ohne Grenzen“ am 8. November des letzten Jahres in Straßburg organisiert hatte, spricht über die Gründe der Verschiebung der 2. Ausgabe dieses Gipfels in Karlsruhe und über die allgemeine Entwicklung zum Thema „natürlicher Wasserstoff“ in Frankreich.

Herr Houssais, als Grund für die Verschiebung des 2. Gipfels haben Sie die politisch unruhige Lage in Frankreich angeführt, aufgrund derer keine französischen Politiker an diesem 2. Gipfel teilnehmen können. War das der einzige Grund?

Pascal Houssais: Das war tatsächlich der ausschlaggebende Grund. Seit dem vorhersehbaren Sturz der Regierung Bayrou, wissen auch die französischen Politiker nicht mehr, wie es weitergeht und da war der Gipfel in Karlsruhe für sie keine Priorität mehr. Doch wir wollten auf keinen Fall einen rein deutschen Gipfel organisieren, da das dem Thema nicht gerecht geworden wäre.

In Ihrer Pressemitteilung sprechen Sie von einer Verlegung des Gipfels, nicht aber von einer Annulierung…?

PH: Das ist richtig. Wir haben mit unseren wissenschaftlichen Partnern, dem französischen CNRS und dem Fraunhofer Institut ICT nach reiflicher Überlegung gemeinsam diese Entscheidung getroffen. Es handelt sich in der Tat nur um eine Verschiebung und der neue Termin wird demnächst bekannt gegeben.

Ihr Thema ist der natürliche Wasserstoff – anhand verschiedener Veröffentlichungen Ihrerseits hat man das Gefühl, als wären Sie momentan nicht sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie dieses Thema in Frankreich behandelt wird?

PH: Das stimmt, wir erleben gerade eine „institutionelle Blockade“, die diesen strategischen Bereich ausbremst. In Frankreich beschäftigt man sich eher mit Atomkraft, Gas, Geothermie und anderen Wasserstoff-Varianten, nicht aber mit der saubersten Variante, dem natürlichen Wasserstoff. Es gibt auch keine ministerielle Ebene, auf der die Prioritäten in diesem Bereich sinnvoll festgelegt werden.

Aber es gibt in Frankreich doch eine Regierungs-Agentur, die ADEME, deren Aufgabe es ist, den Energie-Wandel zu organisieren. Wie steht denn die ADEME zum Thema natürlicher Wasserstoff?

PH: Wir kennen die Position der ADEME nicht wirklich, dabei wäre es ihre Aufgabe, sich hier an die Spitze der Entwicklung zu setzen. Natürlich haben wir mit dem Präsidenten der ADEME Sylvain Wasermann gesprochen, wobei wir insistieren mussten, damit dieser ins Gespräch mit den Forschern kommt, die das riesige H2nat-Vorkommen in Folschviller in Lothringen entdeckt haben. Das ist dann auch passiert, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Weltpresse bereits seit einem Jahr über diese sensationelle Entdeckung berichtet hatte.

Wie erklären Sie sich die geradezu schüchterne Haltung der französischen Behörden zum Thema natürlicher Wasserstoff und insbesondere zu dem „Schatz“, der tief im Boden in Lothringen darauf wartet, genutzt zu werden?

PH: Frankreich ist dabei, einen riesigen energietechnischen Fehler zu begehen, zu einer Ressource, die CO2-frei und lokal verfügbar ist und die für Frankreich die energietechnische Souveranität sichern könnte. Dabei fehlt es nicht etwa an wissenschaftlichen und industriellen Kompetenzen, Hintergrund ist die schon sprichwörtliche Langsamkeit der Verwaltungen. Während auf anderen Kontinenten enorm in diesem Bereich investiert wird, hat Frankreich die zwei Jahre Vorsprung verspielt, die es auf den Rest der Welt hatte. Es wäre an der Zeit, endlich die richtigen Entscheidungen zu treffen…

Herr Houssais, vielen Dank für das Gespräch!

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