„Wir können ganz Europa dekarbonisieren!“
Am 8. November 2024 findet in Straßburg der „Europäische Wasserstoffgipfel“ statt, ein Kolloquium, bei dem Experten, Industrielle und Politiker zusammenkommen.
(KL) – Wasserstoff zählt zweifellos zu den Energieträgern der nahen Zukunft und Frankreich befindet sich in der beneidenswerten Lage, über eines der weltweit größten Vorkommen an natürlichem Wasserstoff zu verfügen, in Froeschwiller in Lothringen. Angesichts des Bedarfs an dieser sauberen Energiequelle bringt der „Europäische Wasserstoffgipfel“ am 8. November 2024 eminente Wissenschaftler, Industrielle und Politiker aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz zusammen. Denn die Region am Oberrhein und die ostfranzösische Region Grand Est haben in diesem Bereich eine wichtige Rolle zu spielen. Interview mit Pascal Houssais, dem Präsidenten des Vereins „H2Strasbourg“, der zusammen mit Partnern wie dem „Pôle Véhicule du Futur“ oder „Trion“ diesen Gipfel organisiert, der wichtig werden wird.
Herr Houssais, auf dem Plakat Ihrer Veranstaltung sieht man die Logos der Europäischen Union, des Landes Baden-Württemberg, der Region Grand Est und der französischen Republik – wie kommt es, dass dieser Gipfel diese Labels erster Güte verliehen bekommen hat?
Pascal Houssais: Ganz einfach, die Leute glauben an diesen Gipfel, der dringend ist, da das Thema „Wasserstoff“ logischerweise auch andere Regionen in Europa interessiert. Wir haben das Glück, dass die staatliche Forschungseinrichtung CNRS in Lothringen ein enormes Wasserstoff-Vorkommen entdeckt hat und nun geht es darum, mit den europäischen Nachbarn eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, mit der sich unsere Region als DAS Zentrum für Wasserstoff in Europa positionieren kann. Dieser interregionale Gipfel erlaubt einen konstruktiven Austausch über den Rhein hinweg und wir sind froh, dabei politisch Verantwortliche wie den Staatssekretär für Wirtschaft Bayerns Tobias Gotthardt oder auch André Baumann, seinen Amtskollegen aus Baden-Württemberg und viele andere Politiker begrüßen zu können, die bei diesem Gipfel einen Dialog mit den Wissenschaftlern und den Industriellen aufnehmen können, die sich ihrerseits auf die Änderungen einstellen müssen, die der Einsatz von Wasserstoff bedingen wird.
Das ist die deutsche Seite, wie sieht es mit der französischen Politik aus?
PH: Da wäre der Präsident der Region Grand Est Franck Leroy, der Abgeordnete von Haguenau Vincent Thiébaut, und andere Politiker sind gerade dabei, eine Unterstützergruppe für diesen Gipfel ins Leben zu rufen, man kann also sagen, dass da viel Bewegung drin ist! Sehr wichtig ist für uns auch die Unterstützung des früheren Vize-Präsidenten der französischen Nationalversammlung und heutigen Generaldirektors der Energieagentur Frankreichs ADEME, die uns auch die Labellisierung des französischen Staats gebracht hat. Aber ebenso wichtig wie die Teilnahme der Politik ist diejenige der Experten und Industriellen, denn der Austausch zwischen diesen drei Säulen wird erst ermöglichen, gemeinsame Ansätze zu finden, die allen Partnern zugute kommen werden.
Wo Sie es gerade ansprechen, welche Experten und Industriellen nehmen an diesem Gipfel teil?
PH: Auf französischer Seite freuen wir uns über die Teilnahme der beiden Direktoren des Forschungsinstituts CRNS, die dieses H2-Vorkommen in Lothringen entdeckt haben, Philippe de Donato und Jacques Pironon. Dazu kommen hohe Industrie-Vertreter von Unternehmen wie beispielsweise Schaeffler, der französischen Staatsbahn SNCF, dem Energieversorger Storengy, H2Energy Europe, GRTGaz, EDF, dem Fraunhofer-Institut in Deutschland, der IBW-Werke in Basel und andere. Mit diesen hochrangigen Teilnehmern, die an den Runden Tischen diskutieren werden, wollen wir Brücken zwischen den Pfeilern des energietechnischen Wandels bauen.
Und was ist Ihre persönliche Motivation, diesen Gipfel zu organisieren?
PH: Wir leben in einer Region, die das Potential hat, ganz alleine Europa zu dekarbonieren. Dabei ist „unsere Region“ im weiteren Sinn zu verstehen, denn wir integrieren auch Bayern und dessen Industrie, die einen großen Bedarf an Wasserstoff hat. Es handelt sich hier um eine historische und einmalige Chance, die wir nicht verpassen dürfen. Wenn man andere laufende Projekte sieht, wie beispielsweise in Sachsen, wo ein Wasserstoff-Hub geplant ist, das insbesondere Zentraleuropa versorgen wird, so muss unsere Region die Nummer 1 für Südeuropa werden. Aufgrund unserer geographischen Lage befinden wir uns auf einer Achse Ost-West, mit Anbindung an Südeuropa, wo wir grünen Wasserstoff aus Portugal und natürlich aus dem Vorkommen in Lothringen beziehen.Unser Engagement als Verein war beinahe selbstverständlich, denn wir haben in dieser Organisation eine neutrale Rolle. Wir sind völlig unabhängig und können mit allen und jedem sprechen. Viele Organisationen in diesem Bereich sind von ihren Geldgebern abhängig und können daher nicht völlig frei agieren. Unser Verein arbeitet seit zwei Jahren an diesem Gipfel und wir freuen uns sehr, dass nun die Wissenschaft, die Industrie und die Politik bereit zu diesem Austausch sind.
Auf dem Plakat unter diesem Artikel müssen Sie nur den QR-Code scannen und Sie kommen direkt auf die Internet-Site dieser Veranstaltung!
Foto: Organisatoren

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