Wolfgang Schäuble ist gestorben

Als Politiker brach er viele Rekorde, machte sich nicht nur Freunde, war ein treuer Parteisoldat der CDU und trotz seiner vielen Ämter, war Wolfgang Schäuble politisch eine tragische Figur.

Wolfgang Schäuble - ein Vollblut-Politiker. Foto: © Robin Krahl / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – 51 Jahre lang saß Wolfgang Schäuble im Deutschen Bundestag für seinen Wahlkreis Offenburg, 20 Jahre lang bekleidete er verschiedene Ministerposten, 8 Jahre lang war er Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, 4 Jahre lang war er Präsident des Bundestags, dazu war er Vorsitzender der CDU und die Liste seiner weiteren Ehrenämter sprengt den Rahmen eines Nachrufs. Doch die beiden Ämter, die er so gerne gehabt hätte, blieben ihm versagt. Nun ist er im Alter von 81 Jahren friedlich eingeschlafen.

Die Tragik der Karriere des Wolfgang Schäuble war vielschichtig. Doch wie er seine politische Arbeit nach dem Attentat, das ihn in den Rollstuhl zwang, weiterführte, nötigte auch seinen politischen Gegner Respekt ab. Als treuer Parteigänger von Helmut Kohl und anderen übernahm er Verantwortung, beispielsweise in Helmut Kohls Parteispenden-Skandal, als er seinem Chef den Posten rettete. Doch die „Belohnung“, nämlich eine Kanzler-Kandidatur, erhielt er nicht – Helmut Kohl setzte ihm Angela Merkel vor die Nase. Diese vertröstete Schäuble mit einem vagen Versprechen auf das Amt des Bundespräsidenten, doch auch das realisierte sich nicht.

Doch Wolfgang Schäuble verbitterte nicht, sondern blieb ein zugänglicher Bundespolitiker, der in seinem Wahlkreis Offenburg sehr geschätzt und ein guter Zuhörer und Analyst war. Viele Vereine und Initiativen aus der Ortenau werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dass dies nicht überall in Europa der Fall ist, liegt an der Austeritätspolitik, die er gemeinsam mit Angela Merkel in der ganzen Europäischen Union durchsetzte und die beispielsweise in Griechenland heute noch Spuren hinterlässt.

Doch was Wolfgang Schäuble auch tat, egal wieviel Kritik er dafür auch einsteckte, er war immer ein „Überzeugungstäter“, der sich dort engagierte, wo er es für wichtig erachtete. Dass ihm dabei auch Fehler unterliefen, ist normal, denn nur derjenige, der nichts tut, begeht keine Fehler.

Die Ortenau verliert einen der letzten Staatsmänner des letzten Jahrhunderts, einen der Akteure der deutschen Wiedervereinigung, einen Vollblutpolitiker, der in all den Jahren seiner Karriere Mensch blieb. Möge er in Frieden ruhen.

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