Zu schön um wahr zu sein?
Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hat ihre Auflösung und das Ende des bewaffneten Kampfes gegen den türkischen Staat verkündet. Wie das in der Praxis aussieht, muss man abwarten.
Seit 26 Jahren fordern die Kurden die Freilassung ihres Führers Abdullah Öcalan - ob jetzt etwas daraus wird? Foto: Jan Maximilian Gerlach / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0
(KL) – 40 Jahre dauerte der Kampf der PKK gegen den türkischen Staat, ein Kampf, den die türkischen Regierungen in dieser Zeit mit unglaublicher Brutalität gegen die martyrisierten Kurden führten. Dabei fielen die westlichen Partner der Türkei nie in den Arm, denn der Westen betrachtete die Kurden zumeist als Element der Instabilität in einer ohnehin schon sehr instabilen Region. Als die kurdischen Milizen allerdings das schafften, was weder die westlichen Alliierten, noch die Türkei geschafft hatten, nämlich die Terroristen des „Islamischen Staats“ in Syrien zu besiegen, da waren plötzlich die Alliierten auf Seiten der Kurden. So lange, bis das terroristische Kalifat von den Kurden besiegt war. Danach ließen alle die Kurden wieder fallen.
Nun hat die PKK verkündet, dass „der 12. Kongress der PKK beschlossen hat, die Organisationsstruktur der PKK aufzulösen und die Methode des bewaffneten Kampfes zu beenden“. Das klingt erst einmal positiv, doch bleiben viele Fragen. Zum einen gibt es viele Untergruppen der PKK, von denen einige mit der Einstellung des bewaffneten Kampfes nicht einverstanden sein werden. Zum anderen könnten sich die radikalsten Elemente der PKK anderen militanten Gruppen anschließen, wie den „Freiheitsfalken“ oder anderen. Dazu stellt sich ebenfalls die Frage, wie sich die Kurden verhalten werden, wenn die Türkei mit den Bombardements der kurdischen Dörfer und anderen Angriffen weitermacht.
Die Strategie der PKK scheint klar zu sein. Ihre Auflösung ist die Voraussetzung für die Freilassung des PKK-Führers Abdullah Öcalan, der seit 26 Jahren auf einer Gefängnisinsel vor Istanbul inhaftiert und dennoch bis heute die Galionsfigur der PKK geblieben ist. Die PKK könnte sich unter Öcalan als Partei neu gründen und bereits in den nächsten Wahlkampf eingreifen und so versuchen, die Lage der Kurden in der Türkei zu stabilisieren und zu verbessern. Dabei besteht allerdings die Befürchtung, dass Erdogan das als Vorwand nutzt, um erneut massiv gegen die Kurden vorzugehen.
Die PKK startet auf jeden Fall den Versuch einer Befriedung, was aller Ehren wert ist und die Freilassung von Öcalan würde einer politischen Kurdenbewegung viel Rückenwind bescheren. Das Ende des Konflikts zwischen der Türkei und den Kurden ist dies zwar noch nicht, aber es wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Das Ganze kann allerdings nur funktionieren, wenn sich Erdogan an die Absprachen hält und in dieser Situation kann man den Kurden sicherlich mehr trauen als Erdogan. Man wird sehen, wie sich diese Situation weiter entwickelt.
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