Zweimal Mahlers Zweite – Konzerte der OPS

Die Symphonien von Gustav Mahler stehen immer wieder im Mittelpunkt der Straßburger Philharmonie. Donnerstag und Freitag wird die Zweite im PMC zu hören sein - und auch zu sehen, wird es auf der Bühne doch wieder ziemlich voll werden.

Gustav Mahlers inspiriert bis heute. Vor allem natürlich seine Musik. Insbesondere seine Symphonien und Lieder, zumal er beides untrennbar verwob. Foto: Zeichnung von Juliána Chomová, Cover-Inlet der CD „Des Knaben Wunderhorn“ vom Baborák Ensemble. Foto: © Animalmusic

(Michael Magercord) – Der Auferstehung geht die Totenfeier voraus. Was theologisch absolut logisch ist, muss den Erdenbewohnern nicht unbedingt sofort einleuchten. Schon gar nicht jenen Menschen, die gar nicht so sehr auf religiöse Weise gläubig sind und erst im Ringen mit schwierigen Lebenslagen zur Überzeugung gelangen, dass ein Glauben an Auferstehung keine schlechte Option zu ihrer Bewältigung darstellt.

Was sich ein wenig wie ein Wort zum Sonntag liest, soll nur dazu dienen, uns auf den Genuss der Zweiten Symphonie von Gustav Mahler vorzubereiten. Dabei berufen wir uns auf den Komponisten selbst. Über den vierten Satz, dem die Vertonung für eine Altstimme eines Gedichtes aus der romantischen Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ unterliegt, sagte Mahler: „Das ‚Urlicht‘ ist das Fragen und Ringen der Seele um Gott und um die eigene göttliche Existenz über dieses Leben hinaus.“ Der Schöpfer des Werkes befand sich höchstselbst in diesem Ringen, und man kann noch heute dankbar sein, dass aus der Mystik Musik geworden ist. Somit lässt sie uns heute noch teilhaben am tiefen seelischen Verlangen des Komponisten – was auch immer es beim Hörer schließlich heute noch auszulösen vermag, wenn er sich den Klängen aussetzt.

Das große Werk beanspruchte eine lange Zeit der Entstehung. 1888 war der erste Satz mit dem Titel „Totenfeier“ abgeschlossen. Schon diesem Satz lag ein Gedicht aus der romantischen Sammlung zugrunde. „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ wurde allerdings für die Symphonie rein instrumental gestaltet. Seine fließende Musik soll der hoffnungslosen Predigt eine Untermalung sein, denn obwohl der Prediger seinen Zuhörern die Leviten liest, weiß er nur zu gut, was auch heute noch so wahr ist wie damals: Die Menschen in ihrem Lebensfluss können sowieso am Lauf der Zeit nicht allzu viel ändern.

Nach diesem ersten Satz ruhte die Arbeit. Das Leben als Dirigent zwischen Budapest und Hamburg ließ kaum Zeit zur weiteren Arbeit. So entstanden die folgenden vier Sätze erst fünf Jahre später. In der Zwischenzeit beschäftigte sich der Mahler mit einem Text des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock. Dessen Gedicht „Auferstehung“ wurde zum letzten Satz der Symphonie, dem Mahler selbst einige Textzeilen hinzufügte, um den Inhalt, den er seinem Werk gab, noch deutlicher zu machen, als Musik es könnte: Was entstanden ist, das muss vergehen! Was vergangen, auferstehen“. Zum Schluss werden Orchester, Chor und Orgel dieser Aussage ihren musikalischen Ausdruck verleihen.

Die Uraufführung erfolgte in Berlin 1895 durch den Komponisten. Wie so oft überforderte Mahler seine Zeitgenossen. Kritiker sprachen von „hohlem Nichts“, „brutaler Geschmacklosigkeit“ oder noch simpler: „Lärm, Skandal, Unfug, Umsturz“. Diese Einschätzung lässt sich heute kaum mehr nachvollziehen, im Gegenteil, nun man spricht von einem „spätromantischen Werk“, in dem allerdings schon die Grundzüge des später typischen Mahlerklangs gelegt worden waren.

Und die zunehmende Tendenz bei Gustav Mahler, alle musikalischen Bühnenkünste zu einem Gesamten zu fügen, nahmen in diesem Werk ebenfalls ihren Anfang. Was sich auch auf der Bühne im Straßburger Palais de la Musique und des Congrès zeigen wird. Dort werden sich neben der Philharmonie, die in voller Belegung inklusive Chor antreten wird, noch zwei Sängerinnen und der Chor der Rheinoper einfinden.

Und wie wertvoll dieses große Werk der modernen klassischen Musik heute noch ist, mögen ausgerechnet die schnöden Zahlen von mystischen Geldsummen zeigen. 2016 erzielte die Versteigerung der Originalpartitur der Zweiten Symphonie 5,3 Millionen Euro, womit sie dasbis dahin teuerste Musikmanuskript geworden war – ein Umstand, der uns nun den Gedanken mit ins Konzert gibt, in welchem Zusammenhang wohl die mit diesem Werk musikalisch angestrebte Erlösung und der durch das erste Abbild des Werkes tatsächlich erzielte Erlös steht..

Konzert der Straßburger Philharmonie OPS

Gustav Mahler – 2. Symphonie „Auferstehung“

Dirigent: Aziz Shokhakimov
Sopran: Valentina Farcas
Mezzosopran: Anna Kissjudit

Chöre der Rheinoper und Philharmonie

Palais de la Musique et des Congrès

DO 22. und FR 23. Mai, 20 Uhr

Infos und Tickets gibt es HIER!

Konferenz vor dem Konzert (auf Französisch)

Mathieu Schneider über das phantastische Zeit-Raum-Konstrukt der 2. Symphonie von Gustav Mahler
19 Uhr im Marie-Jaëll-Saal im PMC, Eintritt frei

Folgendes Konzert der OPS:

Konzert zur Vorstellung der kommenden Saison 25/26

MI 4. Juni
Eintritt frei für Abonnenten, sonst 5 Euro

Und noch zwei CD-Tipps

CD - Cover WunderhornDie beiden Göttinger Studenten Clemens Brentano und Achim von Arnim hatten Anfang des 19. Jahrhunderts eine Sammlung romantischer Gedichte unter dem Titel „Des Knaben Wunderhorn“ zusammengestellt. Die Texte dienten als Quelle für ungezählte Vertonungen, die bekannteste ist sicher der symphonische Gesangszyklus von Gustav Mahler, der zeitgleich mit der 2. Symphonie entstand. Zwei Lieder daraus fanden Eingang in das Großwerk. Diese beiden CDs haben ihren ganz eigenen Zugang gewählt, in dem sie die Blasinstrumente in den Mittelpunkt stellen.

 Der tschechische Waldhornist Radek Baborák hat schon ganz unterschiedliche Musikgenres mit seinem Ensemble eingespielt, von Klassik, Tango bis zum Jazz. Auf dieser CD zeigt er mit seinen Musikern und bekannten Sängern – Sopran, Mezzo und Tenor -, dass man mit wenigen, aber effektvoll eingesetzten Instrumenten einen satten Klang und trotzdem Intimität erzeugen kann. Ideal für die stille Stunde auf dem Sofa. CD - Cover Wunderhorn 2

Ausschließlich mit Blasinstrumenten stellt sich das Prager Oktett PhilHarmonia, das sich aus Musikern renommierter Orchester wie der Tschechischen und Berliner Philharmonie zusammensetzt, gemeinsam mit dem deutschen Bariton Peter Schöne der Herausforderung. Eine gesanglich einwandfreie Einspielung, in der zudem die bei der Mischung besonders herausgestellten zarten Töne der Flöte und Klarinette für sphärische Momente sorgen, die sich besonders bei den rein instrumentalen Stücken einstellen.

Informationen und Hörbeispiele:

Baborák Ensemble – Animalmusic ANI 099-2

PhilHarmonia und Peter Schöne – Supraphon SU 4322

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