Zwingt Trump die Europäer zu mehr Europa?

Die Situation des Konflikts zwischen den USA und Europa (und dem Rest der Welt) ist gewöhnungsbedürftig. Europa muss jetzt anfangen, endlich europäisch zu handeln.

Von der ISS aus betrachtet, sieht alles so schön und friedlich aus... Foto: Alexander Gerst / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0

(KL) – Die Zeit der Unterwerfung unter einen verhaltensgestörten Diktator ist vorbei. Die USA des Donald Trump kennen keine Partner mehr, schon gar keine „Freunde“, sondern nur noch Feinde. In dieser Situation ist die Drohung Trumps, alle Länder, die weiterhin Dänemark und Grönland unterstützen und versuchen, ihn daran zu hindern, sich die größte Insel der Welt einzuverleiben, die vielleicht letzte Chance für Europa, sich endlich als „Union“ zu präsentieren und dem US-Präsidenten ein europäisches „Stop!“ vorzusetzen.

Dass Trump Europa nicht auf seiner Freundesliste stehen hat, das weiß man spätestens seit der Veröffentlichung der neuen „Sicherheits-Strategie“ der USA, in der auf 33 Seiten die neuen Prioritäten der USA stehen und Europa steht unter diesen Prioritäten ganz weit unten. Dass die Europäer, anders als die USA, die NATO-Verträge respektieren, damit hat Trump nicht gerechnet. Und auch nicht mit dem Gegenwind, den seine Grönland-Pläne selbst in den USA bei der Opposition, aber auch im eigenen Regierungslager ausgelöst haben.

Die Zeit ist gekommen, dass Europa und der Rest der Welt die USA politisch und wirtschaftlich isolieren. Dabei spielt auch die „Macht der Verbraucher“ eine Rolle und während die Politik nach geeigneten Gegenmaßnahmen sucht, können die Verbraucher bereits sehr konkret Waren aus den USA boykottieren und von denen gibt es reichlich viele.

Fastfood-Ketten, Sportschuhe, amerikanische Autos – die Liste an amerikanischen Produkten, die man boykottieren kann, ist lang. Parallel dazu müssen die Europäer nach neuen Handelspartnern suchen, beispielsweise in Asien und Afrika, denn die Welt kann auch ohne die USA funktionieren. Dieses Land, das mit seinen 330 Millionen Einwohnern momentan 4,22 % der Weltbevölkerung darstellt, ist weder alleine überlebensfähig, noch kann es einen Freifahrtschein für seine aggressive, imperialistische Politik für sich in Anspruch nehmen.

In dieser Situation kann sich ein Stück der europäischen Zukunft entscheiden oder besser gesagt, der Zukunft der europäischen Union. Ein positives Zeichen ist, dass die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nicht sofort wieder vor Trump auf die Knie gesunken ist, wie sie es bisher immer getan hat, sondern dass nun Diskussionen laufen, wie man sich dem US-Diktator gemeinsam in den Weg stellen kann. Denn immerhin, die Drohungen neuer Strafzölle Trumps betreffen inzwischen die wichtigsten europäischen Länder und es wird allerhöchste Zeit, diesen Präsidenten zu stoppen. Zwar wächst auch in den USA selbst der Widerstand gegen Trump, doch nach wie vor wird der orange Mann von rund 40 % der amerikanischen Wählerschaft als „der beste Präsident aller Zeiten“ bejubelt. Dabei spielt keine Rolle, dass sich Trump immer noch weigert, die Epstein-Files veröffentlichen zu lassen, was natürlich den Verdacht stärkt, dass ihn der Inhalt dieser Dokumente schwer belastet; dabei spielen seine Verfassungsbrüche keine Rolle; dabei spielt keine Rolle, dass Trump in den US-Städten mit seinen ICE-Gangstern eine Art Bürgerkrieg gegen Andersdenkende veranstaltet – die MAGA-Basis, die sich hauptsächlich aus einkommenschwachen und bildungsfernen Bevölkerungsschichten rekrutiert, ist immer noch sehr präsent.

Man weiß inzwischen schon gar nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll, wenn man die haarsträubenden Lügen dieses Präsidenten und seiner Handlanger hört, doch bei großen Teilen seiner Wählerschaft verfangen diese Lügen. Da diese Wähler noch nie so etwas wie internationale Pressestimmen gehört haben, glauben sie auch den Quatsch, den Trump täglich erzählt, nämlich dass die USA so respektiert wie nie zuvor seien. Das Gegenteil ist der Fall – Trump wird heute weltweit als ebenso gefährlich wie Putin betrachtet, seine kindischen Einlassungen werden vielerorts als massive pathologische Störungen bewertet und seine illegalen Aktivitäten in In- und Ausland lassen die Welt an den USA verzweifeln. Aber das bekommt man im amerikanischen Trailerpark nicht mit, dort glaubt man tatsächlich, dass dieser Mann Amerika wieder „great“ gemacht hat. Doch bestehen die USA nicht nur aus Trailerparks und alle Umfragen deuten darauf hin, dass Trump bei den „Midterm elections“ die Flügel gestutzt werden. Was dann auch der Grund ist, warum Trump öffentlich und laut darüber nachdenkt, wie er diese Zwischenwahlen abblasen kann.

Europa muss nun gemeinsam und abgestimmt vorgehen, denn kein europäisches Land wird sich dem US-Diktator alleine in den Weg stellen. Zwischen Putin und Trump hat Europa nur eine Chance – europäische Solidarität und ein starkes, gemeinsames Vorgehen. Denn das, was die Europäer seit geraumer Zeit von Putin sagen („der versteht nur die Sprache der Stärke“), gilt noch viel mehr für Trump.

In der Tat, die Welt ist auf dem Weg zu einer neuen Weltordnung, in der die fiesen Diktatoren unserer Zeit möglichst keine Rolle spielen sollten. Doch damit Europa eine neue Position findet, müssen sich die europäischen Institutionen stark reformieren, die unglaubliche Korruption in den eigenen Reihen durch neue Regelungen ausmerzen und die Europäer müssen nun anfangen, europäisch zu denken und zu handeln. Wenn das jetzt nicht gelingt, ist die Zukunft dieser Institutionen mehr als gefährdet.

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