Zwischen „Black Friday Week“ und Weihnachtsmarkt

Das, was einmal die Adventszeit war, mit Kerzen, Tannenzweigen und Keksen, ist heute nur noch ein rauschendes Fest des Einzelhandels. Money makes the world go 'round.

Auf diese Art bedrückender Enge muss man wirklich Lust haben... Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0

(KL) – „Genießen Sie die Magie der Weihnachtszeit“, kann man in den touristischen Broschüren der Städte lesen. Aber wo ist die „Magie der Weihnachtszeit“? Zigtausende Menschen strömen am Wochenende auf die Weihnachtsmärkte, natürlich insbesondere in Straßburg, wo man sich dann im „Pinguin-Modus“ in der Menschenmasse in die eine oder andere Richtung schiebt. An normales Gehen ist nicht zu denken, wer unter Klaustrophobie leidet, sollte besser daheim bleiben.

Zwischen dem „Black Friday“ und der aufgebohrten „Black Friday Week“ und Weihnachten lag einstmals die Adventszeit, die inzwischen vom Hohen Fest des Einzelhandels abgelöst wurde. Auf der Strecke blieb dabei die „Magie der Adventszeit“, mit Adventskranz, Weihnachtsgebäck, Dominosteinen und Mandarinen – stattdessen gibt es Sonderangebote, Aufrufe zum hemmungslosen Konsum und ein echter Gewinn ist das nicht. Außer für den Einzelhandel.

Würde heute ein Zimmermann aus Judea mit seiner hochschwangeren Frau und seinem Esel auf dem Weihnachtsmarkt auftauchen, würde man ihn ruckzuck auf der Innenstadt herausbegleiten, damit er das Konsumerlebnis der hunderttausenden Touristen nicht stört. Das, was einst an der Adventszeit spirituell war, ist inzwischen nur noch kommerziell. Und das ist eigentlich ziemlich schade.

Was die vielen, vielen Besucher am Wochenende einem Ausflug auf den Straßburger Weihnachtsmarkt abgewinnen, das wissen wohl nur sie selbst. Das Gedränge ist unerträglich und etwas beunruhigend war Ende letzter Woche der Fund in einem Gebüsch, direkt neben dem Weihnachtsmarkt. Dort entdeckte man eine Pistole mit Munition, die jemand dort deponiert haben muss, der auf dem Weihnachtsmarkt nicht nur Freude verbreiten wollte. Die Kontrollen am Zugang zur Innenstadt werden nur sehr oberflächlich durchgeführt und jemand, der wirklich verbotene Dinge in die Innenstadt Straßburgs bringen will, wird keinerlei Schwierigkeiten haben, dies auch zu tun.

Am gestrigen Ersten Advent, trotz Regens und grauem Himmel, drängelten sich wieder viele Besucher in der Innenstadt. Muss man das mal erlebt haben? Wer die oft gerühmte „Magie der Weihnacht“ erleben möchte, sollte sich eher auf den kleinen Weihnachtsmärkten im Elsass und im Badnerland umsehen, denn dort kann man diese „Magie“ tatsächlich noch vorfinden.

Für den Straßburger Weihnachtsmarkt sollte man einen Besuch nur unter der Woche einplanen, und selbst unter der Woche wird die Innenstadt gerammelt voll sein. Schön wäre es allerdings, wenn es ausnahmsweise mal in der Adventszeit schneien würde, denn das würde die „weihnachtliche Atmosphäre“ eindeutig verbessern.

Ansonsten sollte man ein gut gefülltes Portemonnaie mitbringen, denn die Preise auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt werden offenbar in einer anderen Galaxie festgelegt – mit „normalen“ Preisen hat das nichts mehr zu tun. Vier Wochen Konsumrummel erwarten uns und die wird Straßburg auch noch überstehen. Bleibt zu hoffen, dass das Hohe Fest des Einzelhandels nicht durch Zwischenfälle gestört wird…

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