Zwischen Paris und Berlin liegt – Straßburg!
Es ist vollbracht. Seit vorgestern verkehrt dreimal pro Woche der Nachtzug zwischen Paris und Berlin. Das ist klasse und auch ein wenig wie „Zurück in die Zukunft“ - Reisen wie in der guten alten Zeit.
Viel Prominenz auf dem Bahnsteig in Straßburg beim ersten Halt des Nachtzugs Paris - Berlin. Foto: Courtesy Alain Jund / CC-BY 2.0
(KL) – Wenn sich das Who ist Who der regionalen und nationalen Politik um Mitternacht auf einem Bahnsteig des Straßburger Bahnhofs trifft, dann muss es schon einen ganz besonderen Grund dafür geben. Und den gab es am 11. Dezember auch – der erste Nachtzug von Paris nach Berlin hielt planmäßig in der Europahauptstadt und läutete damit eine neue, alte Art des Reisens ein. Statt ökologisch bedenklichen Kurzstreckenflügen jetzt wieder der Nachtzug, von denen überall in Europa immer mehr Strecken wieder eröffnet werden. Wer allerdings im Nachtzug richtig bequem reisen will, muss ordentlich in die Tasche greifen, denn bis auf die richtig unbequemen Sitzplätze, auf denen eine lange Zugfahrt durch die Nacht eine Ewigkeit dauert, sind die Liege- und Schlafwagen nicht ganz billig. Aber so zu reisen ist romantisch, in vielen Fällen sehr praktisch und auch noch ökologisch einwandfrei.
Angeboten werden die Fahrten seltsamerweise von der Österreichischen Staatsbahn ÖBB mit dem „Nightjet“. Los geht es in Paris mit dem ÖBB Nightjet 40469 dienstags, donnerstags und samstags, Abfahrt in Paris Gare de l’Est um 19:12 Uhr, mit Halt in Straßburg (00:02 Uhr), Frankfurt / Main Süd (03:13 Uhr), Erfurt Hbf (05:49 Uhr), Berlin Südkreuz (08:21 Uhr) und Berlin Hauptbahnhof ( 08:26 Uhr).
In der Gegenrichtung von Berlin fährt der ÖBB Nightjet 40424 montags, mittwochs und freitags. In Berlin Hauptbahnhof startet der Zug jeweils um 20:18 Uhr, mit Halt in Halle / Saale Hbf (22:18 Uhr), Erfurt Hbf (23:36 Uhr), Frankfurt / Main Süd (02:12 Uhr), Straßburg (05:50 Uhr) und Paris Gare de l’Est (10:24 Uhr).
Das schreit geradezu nach langen Wochenenden in den beiden Hauptstädten und Reisen mit dem Nachtzug sind wirklich romantisch, wenn man sich vom Geratter der Schienenschwellen in den Schlaf wiegen lässt. Oder morgens ein Frühstück serviert bekommt, das alles hat was.
Die Preise sind, was sie eben sind. Zwar wird der Zug mit „ab-Preisen“ beworben, so der Sitzplatz ab 34,90 € pro Person, der Liegewagen ab 49,90 € und der Schlafwagen ab 79,90 €. Doch zu diesen Preisen gibt es nur wenige Plätze und da kann es vorkommen, dass man für die Fahrt das Doppelte bezahlen muss. Und wer am liebsten ein Einzelabteil im Schlafwagen buchen möchte, der ist „ab“ 159,90 € dabei.
Doch ist die Eröffnung dieser Strecke eine gute deutsch-französische Nachricht, in einer Zeit, in der es nicht allzu viel Positives aus der deutsch-französischen Ecke zu vermelden gibt. Konzertiert von den Österreichern mussten viele an vielen dicken Brettern bohren, damit diese Strecke Wirklichlichkeit wird und ab sofort die deutsche, die französische und die europäische Hauptstadt miteinander verbindet. Wenn das jetzt noch für den tagsüber verkehrenden, geplanten TGV/ICE klappt, dann haben alle zusammen richtig gute Arbeit geleistet, denn dies ist ein klares Votum für die Europahauptstadt Straßburg.
Hut ab vor denjenigen, die in schwierigen Zeiten mal wieder eine richtig gute, deutsch-französische Initiative in die Praxis getragen haben, was alles andere als selbstverständlich ist. Weiter so und – gute Fahrt!
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