Ein 4th of July, den man anders begehen sollte

Zum Nationalfeiertag der USA wird heute Abend das Brandenburger Tor in den Farben der US-Flagge erstrahlen. Als ob nichts wäre. Und das ist falsch.

Weltweit ist der US-Präsident verhasst - aber Berlin feiert den 4th of July, als ob nichts wäre. Foto: Avaaz / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(KL) – Traditionell wurde in Berlin der amerikanische Nationalfeiertag, der 4th of July, immer mit einem großen Fest gefeiert. Das war normal, denn immerhin waren die USA seit dem II. Weltkrieg Partner und Freunde Deutschlands, und der frühere US-Präsident Ronald Reagan verewigte sich sogar in der Geschichte der Stadt Berlin, als er vor der Mauer stehend in einer Rede den berühmten Satz rief: „Mister Gorbatchev, tear down this wall!“ – was dann ja auch passierte und den Weg zur deutschen Vereinigung freimachte. Doch das war früher – heute sind die USA leider weder Partner, noch Freunde und daher erscheinen die Berliner Feierlichkeiten geradezu deplatziert.

Kann es Aufgabe der Berliner Stadtverwaltung sein, Trumps Narrativ zu füttern, nach dem die „USA und ihr Präsident weltweit respektierter als je zuvor in der Geschichte Amerikas sind“? Kann es Aufgabe der Berliner Stadtverwaltung sein, damit den Wahlkampf des höchstinstanzlich verurteilten Sexualstraftäters, Rassisten und Anti-Demokraten Trump zu befördern, eines Kriminellen, der die Welt mit Krieg überzieht, die Korruption zur Staatsdoxa gemacht hat und den Rest der Welt mit seinen irren Strafzöllen überzieht? Welchen Grund hat irgendjemand, den amerikanischen Nationalfeiertag mit einem Fest zu begehen?

Der eine oder andere mag denken, dass es darum geht, die Freundschaft zwischen den Völkern zu feiern. Aber dabei sollte man nicht vergessen, dass das amerikanische Volk genau diesen Präsidenten zum zweiten Mal ins Amt gewählt hat, damit er genau die Politik betreibt, die er eben betreibt. So lange Trump mit seiner nicht minder korrupten Administration im Amt ist, sollten die transatlantischen Beziehungen auf Eis gelegt werden, bis es einen neuen Präsidenten in Washington gibt, der die USA vom Neofaschismus wieder auf den Weg der Demokratie zurückführt. So zu tun, als sei alles wie immer, ist eine (vermutlich ungewollte) Unterstützung eines Diktators, der die ganze Welt in immer größere Probleme stürzt.

Dass sich dieser Präsident tagtäglich mit seinen hysterischen Posts selbst feiert, das sollte eigentlich reichen. Da muss das Ausland nicht unbedingt mitmachen und sich damit auf die Seite Trumps stellen, statt die Millionen Demokraten in den USA zu unterstützen, die von Trump täglich mehrfach als „Kommunisten, die die USA hassen und zerstören wollen“ verunglimpft werden.

Dass es sich Friedrich Merz beim G7-Gipfel nicht verkneifen konnte, Trump ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu überreichen, beflockt mit der Nummer 47 und dem Namen „Trump“, sollte als bundesdeutsche Schleimerei eigentlich gereicht haben. Doch jetzt die Trump’schen USA am 4th of July zu bejubeln, das ist mehr als geschmacklos und ein Schlag ins Gesicht aller Amerikaner, die Trump lieber heute als morgen des Amtes entheben wollen.

Ja, heute ist der 4th of July. Doch die einzige Hoffnung, die mit diesem amerikanischen Nationalfeiertag verbunden ist, ist diejenige, dass dieser wahnsinnige Egomane endlich aus dem Weißen Haus verschwindet und damit der Weg für eine Normalisierung der transatlantischen Beziehungen frei wird. Diese zu normalisieren, wird nach der Ära Trump schwierig genug werden und lange Jahre brauchen.

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