Und wo sind jetzt die Nordkoreaner?

Nach einer wochenlangen Informationspause hört man inzwischen wieder täglich furchtbare Geschichten über die angeblichen nordkoreanischen Soldaten in Russland. Aber wo sind sie?

Der Beweis - nordkoreanische Soldaten in Moskau! OK, das war 2019 und zum Musizieren, aber wenigstens ein "Beweis"... Foto: Dmitry Ivanov / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Wie in jedem Krieg wird auch im Ukraine-Krieg von allen Beteiligten gelogen, dass sich die Balken biegen. Ob es sich nun um Verlustzahlen handelt, oder auch um die (Nicht-)Umsetzung der Sanktionen gegen Russland, um Angriffe und Verteidigung, die Entwicklung an der Front – es gibt kaum eine verlässliche Information, da die einzige Informationsquelle die Geheimdienste der direkten und indirekten Kriegsparteien sind, die alles andere als verlässliche Informationsquellen sind, sondern gezielte Propaganda-Inhalte streuen. Zweifel sind da angebracht, insbesondere auch, was die angeblich 12.000 nordkoreanischen Soldaten in der russischen Region Kursk angeht.

So wurden in der letzten Woche Informationen und „Beweise“ vorgelegt, die weder informierten, noch irgendetwas bewiesen. So tauchten Bilder von einer Seite eines angeblichen Tagebuchs eines nordkoreanischen Soldaten auf – das überall auf der Welt hätte geschrieben werden können und keinesfalls die Anwesenheit nordkoreanischer Soldaten in Russland beweist.

Auch die Informationen des ukrainischen und des südkoreanischen Geheimdienstes, die beide nicht im Verdacht einer wie auch immer gearteten „Neutralität“ stehen, über Tausende gefallener Nordkoreaner, oder auch nordkoreanische Soldaten, die angeblich und aus Versehen russische Soldaten durch „friendly fire“ getötet haben sollen, sind durch nichts belegt. Das allerdings hält westliche Medien nicht davon ab, die Geschichten über die Nordkoreaner aufzunehmen und weiter zu verbreiten.

Vor wenigen Tagen erklärte Selenskyi, man habe nordkoreanische Soldaten gefangen genommen und es keimte ein wenig Hoffnung auf, dass es dieses und damit zum ersten Mal echte Beweise für die Anwesenheit dieser nordkoreanischen Soldaten geben würde. Doch dann verstarben die nordkoreanischen Gefangenen urplötzlich alle über Nacht in der ukrainischen Gefangenschaft, die Fotoapparate und Smartphones aller Anwesenden fielen wohl aus und wieder konnte keine einzige Aufnahme eines nordkoreanischen Soldaten angefertigt werden. Weiterhin stammen die Fotos von nordkoreanischen Soldaten, mit denen die amerikanischen Medien ihre Artikel über die nordkoreanische Militärpräsenz in der Region Kursk illustrieren, von Militärparaden in Pjönjang…

Entweder haben es die Russen und die Nordkoreaner geschafft, 12.000 Soldaten völlig unbemerkt über die 6.600 Kimometer zwischen Nordkorea und der Region Kursk zu transportieren, ohne dass von diesen Transporten auch nur der leiseste Nachweis existiert, weder Fotos noch Videos noch Satelliten-Ausnahmen, oder aber die ganze Geschichte von den Nordkoreanern ist von A bis Z erfunden, um den Westen zu massiven Reaktionen gegen Russland und Nordkorea zu bewegen. Zu einem Zeitpunkt, zu dem es selbst von einem Flugzeugabsturz über der kasachischen Steppe x Videos und Fotos gibt, erscheint es extrem unwahrscheinlich, dass es in zwei Monaten niemandem gelungen sein soll, ein belastbares und überprüfbares Foto auch nur eines einzigen nordkoreanischen Soldaten in Russland zu machen. Das Foto von einer Reihe angeblich getöteter nordkoreanischer Soldaten ist so verpixelt wie in den 80er Jahren und auf diesem Bild erkennt man – nichts. Als „Beweis“ taugt es also auch nichts, wirft aber die Frage auf, wie man in Zeiten, in denen fast jedes Smartphone Bilder in HD anfertigt, ein solch verpixeltes Foto überhaupt machen konnte. Oder auch, warum es so gemacht wurde, dass man wirklich nichts darauf erkennen kann.

Angesichts der Militärabkommens zwischen Russland und Nordkorea kann man natürlich nicht ausschließen, dass es tatsächlich nordkoreanische Soldaten gibt, die auf russischer Seite kämpfen. Doch der Umstand, dass es in zwei Monaten nicht gelungen ist, einen lebendigen oder toten Nordkoreaner zu fotografieren, zu filmen oder gar der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, deutet allerdings eher darauf hin, dass es sich erneut um eine Propagandalüge handelt, mit dem Ziel, die militärische Unterstützung für die Ukraine zu intensivieren.

Nur – mit Lügen gewinnt man keinen Krieg und statt den unterstützenden Westen weiterhin mit solchen Propaganda-Inhalten zu weiteren Milliardenzahlungen und Waffenlieferungen für einen Weltkrieg zu motivieren, den die Ukraine wohl nicht gewinnen kann, sollte man langsam anfangen, ernsthaft die zahlreichen Friedenspläne zu diskutieren, die seit geraumer Zeit auf dem Tisch liegen. Dazu könnte es ebenfalls hilfreich sein, würden sich die Europäer endlich einmal trauen, das Thema „Ukraine“ zu diskutieren, ohne dass Selenskyi mit am Tisch sitzt und den Europäern diktiert, was sie zu tun und zu denken haben. Nach drei Jahren des Kriegs, der sich immer mehr zum Vorteil Russlands entwickelt, wäre es an der Zeit, eine eigene Strategie Europas zu entwickeln, die mehr beinhalten muss als die üblichen Sieges-Slogans. Aber dazu wird es voraussichtlich nicht kommen…

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