Die Straßburger Münster-Bauhütte Weltkulturerbe der UNESCO

Mit der Ernennung zum Weltkulturerbe wird nicht nur die Münster-Bauhütte „Fondation de l'Oeuvre Notre-Dame de Strasbourg“ ausgezeichnet, sondern die ganze Baukunst, die bei der Errichtung der „schönsten Kathedrale der Welt“ zum Einsatz kam.

Die Münster-Bauhütte zu Strasbourg wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Foto: Jcornelius / Wikimedia Commons / GNU 1.2

(KL) – Der Bau des Straßburger Münsters ist in der Geschichte der Sakralbauten einzigartig. Begonnen wurde mit den ehrgeizigen Plänen zum Bau des (damals) höchsten Gotteshauses der Welt im Jahr 1176, abgeschlossen wurden die Arbeiten erst 1439 und wenn man genau hinschaut, so waren die Arbeiten nie abgeschlossen – ständig muss erneuert, repariert, wieder aufgebaut werden und das bis zum heutigen Tag. Aber auch aus anderen Gründen ist das Straßburger Münster einzigartig – und deshalb wurde nun die Straßburger Münster-Bauhütte „Fondation de l’Oeuvre Notre-Dame de Strasbourg“ zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.

Die Arbeiten an dieser wunderschönen Kathedrale erstreckten sich nicht nur über mehrere Jahrhunderte und Generationen von Baumeistern, sondern sogar über verschiedene architektonische Stile. Wurde der Bau noch im romanischen Stil begonnen, wurde dieser im Laufe der Arbeiten vom opulenten gotischen Stil abgelöst, was sich besonders an der einzigartigen Fassade zeigt, auf der die strengen Linien des romanischen Stils durch eine unglaubliche, fein ziselierte Leichtigkeit abgelöst wurden.

Gearbeitet wurde damals wie heute nach handgezeichneten Plänen, von denen viele schon an sich bemerkenswerte Kunstwerke sind, wie beispielsweise der Entwurf der Fassade, der Meister Erwin zugeschrieben wird. Und genau diese unglaubliche Meisterschaft der Baumeister, Steinmetze und Arbeiter der Bauhütte ist es, was die UNESCO in den Rang eines Weltkulturerbes erhoben hat. Denn die vielen Ausbesserungsarbeiten, die aufgrund des verwendeten weichen Sandsteins permanent erforderlich sind, erfolgen nach eben diesen alten Plänen, mit denselben alten Werkzeugen und vor allem, wie ein Sprecher der Münster-Bauhütte erklärte, „im Geiste von Meister Erwin“. Sprich – man versucht (und schafft es immer wieder), die Steine nicht perfekt, sondern lebendig zu formen, denn rings um das Münster erzählen die vielen Personengruppen, Szenen und Einzelelemente die ganze Bibel nach. Und das soll so lebendig, so greifbar wie möglich sein.

Doch neben den alten Handwerkstechniken, neben diesem unglaublichen Know-How der Baumeister, wurde auch die Bauhütte selbst ausgezeichnet, denn sie ist die Hüterin dieses einmaligen Kulturschatzes und nicht nur ausführendes Organ. Die Bauhütte pflegt auch die Geschichte dieses einmaligen Bauwerks, die ebenso bewegt ist wie die Zeiten im Mittelalter. Dazu pflegt sie auch das Andenken an die Baumeister selbst, wahre Helden dieser Epoche, die ohne Computer, Statikprogramme und CAD-CAM-Simulationen ein Bauwerk errichtet haben, dessen Erhabenheit die Zeiten überdauert.

Zu diesen Baumeistern gehörten Rudolf der Ältere (der das Kirchenschiff vollendete); der bereits erwähnte Meister Erwin von Steinbach (der Fassade und Fensterrose entwarf); Gerlach, Erwins Enkel; Michel Parler aus Freiburg; Klaus von Lohr; der vom Bau des Münsters in Ulm abgeworbene Ulrich von Ensingen: Jean Hültz; Jodokus Dotzinger; Hans Hammer; Jakob von Landshut; Bernhard von Heidelberg, um nur diese zu nennen.

Die Erinnerung an diese großen Baumeister ist ebenfalls wichtig, ist die doch auch die Erinnerung an eine Zeit, in der Kultur und Anfänge des Humanismus am Oberrhein ihre Heimat hatten – auf beiden Seiten des Rheins. Zu dieser mittelalterlichen Zeit waren Baumeister, Steinmetze und andere spezialisierte Handwerker gesuchte und gut bezahlte Fachleute, deren Zeichen man heute nicht nur auf einigen Steinen des Straßburger Münsters erkennt – sondern auch auf den Sakralbauten in Freiburg im Breisgau, in Thann, aber auch in Rouen, Chartres oder Reims. Damals war es eine Selbstverständlichkeit, auf der jeweils anderen Rheinseite zu arbeiten und heute geben sich viele Mühe, ein derartiges Niveau der Integration wieder auf die Beine zu stellen. Da macht es Sinn, sich daran zu erinnern, dass es dieses tiefe, rheinüberschreitende Verständnis bereits schon einmal gab.

Herzlichen Glückwunsch an die Straßburger Münster-Bauhütte, die „Fondation de l’Oeuvre Notre-Dame“ – die mit dieser neuen Auszeichnung auch während der nächsten Jahrhunderte diese wunderschöne Kathedrale und deren Geschichte hegen und pflegen wird!

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