Ein neues Stadion in Freiburg? Am 1. Februar entscheiden die Bürger.

So geht es auch - statt eines einsamen Beschlusses der Verwaltung und der Politik, entscheiden am 1. Februar die Freiburger Bürgerinnen und Bürger, ob das neue Stadion gebaut wird.

Für die Fans des SC Freiburg stellt sich die Frage nicht - JA zum neuen Stadion. Am 1. Februar wird abgestimmt. Foto: Eurojournalist(e)

(WB) – Das nennt man Basisdemokratie. Die Frage des Neubaus eines Fußballstadions in Freiburg wird von den Bürgerinnen und Bürgern entschieden und in Freiburg läuft gerade ein richtiger Wahlkampf zu diesem Thema. In den Umfragen liegen die Befürworter des Stadionneubaus im Freiburger Wolfswinkel zwar vorne, doch kann es auch passieren, dass die Gegner (die weniger den Neubau als solches als vielmehr den geplanten Standort kritisieren) besser mobilisieren können. Am 1. Februar wird abgestimmt.

Genau so hätte man in Stuttgart vor der Entscheidung für den Bau des Tiefbahnhofs “S21″ verfahren sollen – und so sollte man künftig für alle wichtigen Großprojekte verfahren. In einem völlig transparenten Prozess entscheiden die Freiburger selbst, ob sie das neue Stadion für den Sportclub Freiburg haben möchten oder nicht. Es herrscht zwar weitgehend Einigkeit darüber, dass der Bundesligist SC Freiburg eine neue Spielstätte benötigt, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben, doch machen vor allem die Bewohner der umliegenden Viertel gegen den Standort “Wolfswinkel” mobil. Und auch die Freizeitflieger und Fallschirmspringer, denn der geplante Neubau befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Freiburger Flugplatz.

Dass ein neues Stadion benötigt wird, ergibt sich aus mehreren Faktoren. Zum einen entspricht das Schwarzwaldstadion in Littenweiler nicht den Anforderungen des DfB und der UEFA (der Sportclub spielt seit Jahren mit einer jährlich erneuerten Sondergenehmigung, da das Spielfeld zu kurz ist und zwischen den Toren ein Gefälle von gut einem Meter aufweist), zum anderen liegt das alte Stadion in einem Wohnviertel, was nicht nur eine Belastung für die Anwohner darstellt, sondern auch zu den bekannten Transportproblemen an den Spieltagen führt.

Für den geplanten Standort “Wolfswinkel” sprechen dagegen nicht nur die zahlreichen Gutachten, die in den letzten Jahren hierzu angefertigt wurden, sondern auch eine hervorragende Infrastruktur, die eine Anreise zu den Spielen mit dem Auto, mit dem Zug und mit Bussen und Straßenbahnen ermöglicht. So führt die neue Straßenbahnlinie direkt bis zum Stadion, es wird ausreichend Parkplätze geben, das neue Stadion liegt in unmittelbarer Nähe zur Autobahn, so dass auswärtige Fans erst gar nicht durch die Stadt fahren müssen, die Breisgau S-Bahn bringt Fans aus dem Freiburger Umland direkt zum Stadion und – das neue Stadion bringt auch dem SC Freiburg neue Vermarktungsmöglichkeiten, ohne die ein Bundesligist heute eigentlich nicht mehr überleben kann.

Die Finanzierung des Stadions ist mit beachtlichen Eigenmitteln des Sportclubs, aber auch mit Finanzzusagen seitens des Landes Baden-Württemberg und über die Brauerei Rothaus gesichert – es geht also nicht darum, ob das Stadion finanziert werden kann, sondern einzig und alleine um den Standort.

Die Bewohner des Viertels “Am Wolfswinkel” fürchten um ihre Ruhe am Waldrand, doch wird das neue Stadion so günstig liegen, dass eine Belästigung der Anwohner wie in Littenweiler kaum erfolgen wird. Somit ist die Befürchtung eines Wertverlusts der Immobilien in diesem Viertel unnötig – im Gegenteil: Es könnte gut sein, dass der Wert der dortigen Häuser eher steigen wird, da das Viertel durch das Stadion insgesamt aufgewertet werden wird.

Bleibt also das Problem des Flugplatzes. Wenn auch verständlich ist, dass die Hobbyflieger und Fallschirmspringer um ihre Sportstätte fürchten, stehen hier zwei Interessen gegeneinander. Und bei diesem Interessenskonflikt steht der Volkssport Fußball deutlich besser da als die Randsportart “Flugsport”.

Die Auseinandersetzung, und darauf legt der Präsident des Sportclub Freiburg Fritz Keller großen Wert, läuft respektvoll und fair. “Ich möchte nach dem 1. Februar mit den Gegnern des Stadions immer noch ein Glas Wein trinken können”, sagte Keller den Kollegen der Badischen Zeitung. Die Kicker des Sportclubs können unmittelbar vor dem Volksentscheid einiges für die Abstimmung tun – durch einen Erfolg am Samstag, den 31. Januar gegen Eintracht Frankfurt…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste