„Eine neue Juristen-Generation“

Interview mit Moritz von Saint Paul, der seit einige Wochen in der Verbraucherschlichtung in der Universalschlichtungsstelle des Bundes in Kehl arbeitet.

Moritz von Saint Paul (r.) im Gespräch mit Eurojournalist(e). Foto: FB / privat

(KL) – Seit geraumer Zeit beleuchten wir gemeinsam mit der Universalschlichtungsstelle des Bundes (USS) in Kehl die verschiedenen Aspekte des ziemlich neuen Rechtskonzepts der Verbraucherschlichtung. Hierzu kamen Juristen, Wissenschaftler, Politiker, Unternehmer, Verbraucher und andere Experten zu Wort. Nun haben wir Moritz von Saint Paul getroffen, der seit einigen Wochen das Team der USS in Kehl verstärkt. Interview.

Herr von Saint Paul, mit 30 Jahren verfügen Sie nicht nur über eine weitreichende Ausbildung als Jurist, sondern sogar über einige Berufserfahrung. Was hat Sie zum Thema Verbraucherschlichtung gebracht?

Moritz von Saint Paul: Nach meinem 2. Staatsexamen habe ich auch noch eine Ausbildung zum Mediator gemacht und in einem Notariat gearbeitet. Ich gehöre in der Tat zu einer neuen Generation von Juristen, die sich auch mit den verbesserungswürdigen Aspekten unseres Rechtssystems beschäftigen. Wie viele meiner Kommilitonen schaue auch ich ein wenig über den Tellerrand, zumal mir meine Arbeit in einem Notariat gezeigt hat, dass viele Menschen bei Streitfällen gar nicht vor Gericht ziehen wollen, sondern nach alternativen Möglichkeiten zur Streitbeilegung suchen. Für mich befindet sich die Verbraucherschlichtung zwischen der Mediation und dem streitigen Gerichtsverfahren, mit der Möglichkeit, das Beste dieser beiden Welten in unsere Arbeit einfließen zu lassen.

Sie sind nun seit 2 Monaten bei der USS in Kehl, haben sich Ihre Erwartungen bislang erfüllt?

MvSP: Ich fühle mich richtig wohl bei der USS – die Falldiskussionen, die wir mit den Kolleginnen und Kollegen führen, sind von großer Tiefe, und das trotz der schwierigen pandemischen Umstände, die sich bei uns allerdings durch einen coronabedingten Anstieg der Fallzahlen ausgedrückt haben. Wir haben momentan viele Fälle, die sich um ausgefallene Reisen drehen…

Ist da nicht die „söp“, die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr zuständig?

MvSP: Für Streitfälle mit Unternehmen, die bei der „söp“ angeschlossen sind, ja. Das sind sehr viele. Doch nicht alle sind eben bei der „söp“ angeschlossen und in diesen Fällen greift unsere Funktion als „Auffangstelle“ oder die der Schlichtungsstelle Luftverkehr, die sich dann mit den Fällen beschäftigt, die nicht über die „söp“ abgewickelt werden können. Ein anderes Beispiel für diese Auffangfunktion ist der Bereich der Möbelspediteure. Dieser Berufsstand verfügt ebenfalls über eine eigene Schlichtungsstelle, die aber auch nur die Fälle derjenigen Unternehmen behandeln kann, die an ihr System angeschlossen sind. Fälle, die andere Unternehmen betreffen, landen dann bei uns.

Und wie verläuft in Zeiten der Telearbeit die Integration in ein neues Team?

MvSP: Das läuft alles unproblematisch, da ich auf ein sehr nettes und hoch kompetentes Teams gestoßen bin. Man hilft sich gegenseitig und das bei uns eingeführte Telearbeit-Schema ist hervorragend – eine Mischung aus Präsenz und ruhigem Arbeiten von zuhause aus. Da passt gerade alles.

Und wie sehen Sie die Perspektiven der Verbraucherschlichtung?

MvSP: Für mich ist es sehr spannend, in diesem neuen Rechtsbereich mitarbeiten zu können. Es wird sicher noch Jahre dauern, bis dieses neue Konzept der alternativen Streitbeilegung richtig in der Gesellschaft verankert ist und da ist es für mich sehr interessant, in einer Organisation wie der USS zu arbeiten, die nicht „nur“ Fälle abarbeitet, sondern auch sehr engagiert ist, dieses Konzept bekannt zu machen, mit viel Medienarbeit, Vorträgen bei Berufsverbänden und in Universitäten. Die Verbraucherschlichtung wird sich durchsetzen und für mich ist es eine berufliche Herausforderung, an diesem Prozess aktiv mitwirken zu können!

Herr von Saint Paul, vielen Dank für das Gespräch!

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