Wer jetzt noch Heineken trinkt…

… muss ziemlich schmerzfrei sein. In Nigeria hat die zweitgrößte Braugruppe der Welt 2500 Prostituierte geschult, damit diese den Absatz steigern. Und das ist noch lange nicht alles.

Naja, es gibt ja zum Glück auch noch andere Sorten... Foto: Jennifer from Vancouver, Canada / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(KL) – Man fühlt sich in die Kolonialzeit zurückversetzt. Die niederländische Braugruppe Heineken hat in Nigeria 2500 Prostituierte geschult, damit diese gegenüber ihren Kunden die Vorzüge der lokalen, aber von Heineken gebrauten und vertriebenen Biersorte „Legend“ anzupreisen. Der Investigativ-Journalist Olivier van Beemen hat mehrere Beispiele aus verschiedenen afrikanischen Ländern zusammengetragen, die zeigen, wie diese multinationale Gruppe zu denjenigen gehört, die in Afrika heute noch genauso kalt und zynisch den Markt ausbeuten wie in der Kolonialzeit.

Olivier van Beemen berichtet, wie ihm der frühere Chef von Heineken Nigeria Festus Odimegwu, stolz von dieser „Marketingkampagne“ berichtete. Um den Umsatz von „Legend“ zu steigern, erzählten die Prostituierten ihren Freiern, dass das Trinken von „Legend“ zu deutlich höherer sexueller Spannkraft führen würde – die Prämien wurden anhand der gesammelten Kronkorken berechnet und ausgezahlt. Ergebnis: Die Biermarke „Legend“ konnte ihren Umsatz vervierfachen.

Seit mehr als 100 Jahren ist Heineken auf dem afrikanischen Markt, mit mehr als 50 Brauereien in 16 Ländern. Der afrikanische Markt ist deswegen so lukrativ für die in den Niederlanden ansässige multinationale Gruppe (Umsatz 2017: ca. 21 Milliarden €, über 80 000 Mitarbeiter), weil die Produktionskosten auf dem schwarzen Kontinent so gering sind, dass die Braugruppe mit lokal gebrautem Bier 50 % mehr Gewinne einfährt als auf anderen Kontinenten.

Auch in Ruanda und Burundi – Doch Heineken ist nicht bei seiner ersten Großtat in Afrika. Bereits im blutigen Bürgerkrieg in Ruanda war das Lieblingsgetränk der Hutus die lokale Biermarke „Primus“ aus dem Hause Heineken. Berauscht von diesem Getränk begingen die Hutu-Milizen den Völkermord an den Tutsi und hatte auch keinerlei Probleme damit, weiterhin guter Steuerzahler für das mörderische Regime zu bleiben. Mit „Primus“ senkten die Killermilizen ihre Hemmschwelle ab und erhielten das Bier auch als Belohnung nach den verübten Massakern.

Ein anderes Beispiel ist Burundi. Hier gibt es laut Olivier van Beemen eine enge Zusammenarbeit zwischen Heineken und dem Staat, die gemeinsam die Brauerei „Brarudi“ betreiben, wobei Heineken 59 % der Anteile hält und der Staat Burundi den Rest. 2015 wollte Präsident Pierre Nkurunziza für eine dritte Amtszeit kandidieren, was allerdings die burundische Verfassung nicht vorsah. Der Präsident klagte vor dem Verfassungsgericht, dessen Vorsitzender Charles Ndagijimana flugs in den Verwaltungsrat der Brauerei berufen wurde, wo er fürstliche 30 000 € für vier Sitzungen im Jahr erhält. Ach ja, das Verwaltungsgericht urteilte natürlich im Sinne des Präsidenten…

Man darf gespannt sein, ob die Enthüllungen von Olivier van Beemen Konsequenzen haben werden. Denn die offizielle Position von Heineken lautet, dass man in Afrika wirtschaftlich engagiert sei, um der wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents Hilfestellungen zu geben. Der wirkliche Grund dürfte aber dennoch das Profitdenken sein, denn die Gruppe verdient einfach enorm viel Geld in Afrika. Doch das Geschäftsgebaren der Gruppe könnte auch den einen oder anderen Aktionär zum Nachdenken bringen.

Die Aktionäre von Heineken sind neben der Heineken Holding NV (50 %) überwiegend Investmentfonds aus der ganzen Welt. Unter anderem auch aus Norwegen (mit einer sehr geringen Beteiligung von 0,88 %, Norges Bank Investment Management) und in Norwegen werden solche Investitionen sehr genau auf „political correctness“ geprüft – ein Parameter, den Heineken in Afrika zumindest wohl kaum erfüllt.

Angesichts der Tatsache, dass es Tausende Biersorten gibt, wäre es vielleicht an der Zeit, würden sich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Frage stellen, welcher Brauerei man ihr Bier abkauft. Es gibt sicherlich auch Brauereien, deren Geschäftsmethoden etwas einladender sind, ihre Produkte zu kaufen. Aber kein Problem: Wer so abgestumpft ist, dass ihn dies nicht auf die Palme treibt, der kann ja auch weiterhin Heineken-Bier trinken. Wie lautete ein Werbespruch von Heineken: „It takes every kind of people to make the world go round“. Da könnte einem grad der Gerstensaft aufstoßen…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste