Das Totalversagen

Nach wie vor dümpelt die Sea Watch 3 vor der Küste von Malta mit 32 geretteten Schiffbrüchigen an Bord. Seit dem 22. Dezember verweigern die Anrainer-Staaten die Anlandung dieser Flüchtlinge.

Schweres Wetter vor Malta - Europas Machthabern sind die Menschenleben auf der Sea Watch 3 völlig egal. Foto: http://sea-watch.org

(KL) – Das also ist das Europa der Juncker, Mogherini & Co. – eine Art kriminelle Vereinigung skrupelloser Schreibtischtäter, die zulassen, dass seit Wochen zwei Rettungsschiffen im Mittelmeer („Sea Watch 3“ mit 32 Schiffbrüchigen an Bord und die „Professor Albrecht Penck“ des Vereins „Sea Eyes“ mit 17 Schiffbrüchigen an Bord) das Anlaufen der Mittelmeerhäfen untersagt ist. Während rund 30 deutsche Städte die Aufnahme dieser Menschen angeboten haben, versagen die europäischen und nationalen Instanzen auf ganzer Linie.

Auf den Schiffen ist die Lage für die geretteten Schiffbrüchigen und die Crews dramatisch schlecht. Lebensmittel und Trinkwasser werden knapp und inzwischen mussten die NGOs, die Menschen vor dem sicheren Ertrinken retten, selbst zwei weitere Schiffe mit Proviant entsenden. Zahlreiche Schiffbrüchige sind von schwerer Dehydrierung bedroht, da das schlechte Wetter mit hohem Seegang zu Seekrankheit führt und sich viele dieser Menschen permanent übergeben müssen.

Alle Anrainerstaaten haben den beiden Schiffen das Einlaufen in ihre Häfen untersagt. Malta war noch so gnädig, den Schiffen wenigstens ein wenig Schutz in Küstennähe zu gewähren, ohne dass sie anlegen durften, als schweres Wetter beide Schiffe bedrohte. Salvini erklärt stolz, dass es Italien völlig schnuppe sei, was aus diesen Menschen wird, die deutsche und die niederländische Regierung erklärten sich halbherzig bereit, einen Teil dieser Flüchtlinge aufzunehmen, aber nur, wenn andere europäische Länder das auch täten. Taten diese aber nicht. Und damit ist die Bundesregierung ebenso wie die europäische Politik auch schon aus dem Schneider. Malta, Zypern, Griechenland, Frankreich, Spanien – alle verfügen über Mittelmeerhäfen, alle schauen weg und zeigen mit dem Finger auf die anderen.

Was dort vor Malta passiert, ist die Bankrotterklärung des Europas der humanistischen Werte. Europa zeigt, warum immer mehr Menschen DIESES Europa ablehnen. Wo ist denn bitteschön die italienische EU-Außenministerin Federica Mogherini? Wo sind die Tusk, Juncker, Tajani? Wo sind die nationalen Regierungen, die ein Beispiel geben? Eher lässt dieses Europa 49 bereits vor dem Ertrinken gerettete Flüchtlinge auf hoher See verrecken, als sich einen Ruck zu geben und diesen Menschen Sicherheit für Leib und Leben zu gewähren.

Mehr als 30 deutsche Städte haben die Aufnahme dieser Flüchtlinge angeboten. Berlin, Köln, Düsseldorf, Heidelberg, Freiburg, Marburg, Flensburg, Solingen und viele andere sind bereit, diese Menschen in ihre Obhut zu nehmen, doch dies scheitert bislang an der bürokratisierten Eiseskälte unserer nationalen und Europa-Politiker.

Immerhin, es bleibt ein Funken Hoffnung – die Europawahl im Mai. Diese Wahl wird die wohl letzte Gelegenheit werden, Europa ein neues Führungspersonal zu geben, das damit beginnt, Europa so zu reformieren, dass die EU wieder den Weg zurück zu ihren ursprünglichen Werten findet. Diese Gelegenheit sollten wir nutzen, bevor Europa vollständig in die Hände neo-nationalistischer Brandstifter und Schreibtischmörder fällt. Wer sich weigert, Menschenleben zu retten und diejenigen kriminalisiert, die dies trotzdem tun, der hat die europäischen Werte längst verloren und sich an das Europa der Banken und des Reibachs verhökert.

Besuchen Sie die Website von „Sea Watch“, unterstützen Sie die Arbeit dieser Organisation, die zu den letzten gehört, die sich „europäisch“ nennen dürfen. Schreiben Sie an Ihre Angeordneten in Landtag, Bundestag, Europäischem Parlament und fordern Sie diese auf, sich unverzüglich für eine humane Lösung dieser Problematik einzusetzen. Wer im Mai für diejenigen Kandidaten und Kandidatinnen stimmt, die diese humanitäre Bankrotterklärung Europas zu verantworten haben, der macht sich mitschuldig am Tod von Tausenden Flüchtlingen im Mittelmeer. Handeln Sie jetzt!

1 Kommentar zu Das Totalversagen

  1. Diese Geschichte hat zwei Seiten und man sollte sich beide genau anschauen. Es sind eben keine Flüchtlinge wie uns Sea Watch und andere NGOsWeiss machen wollen. Es handelt sich um Migranten, die nach Europa um eines Besseren Lebens willen kommen wollen und letztlich in den deutschen Sozialsystem landen. als Langjährig in derEntwicklungshilfe engagiert ,kann ich die Hintergründe sehr genau beurteilen. Jahrzehnte lange Fehler in der Entwicklungshilfe sowohl durch Deutschland als auch durch die USA und andere Geberländer Hat sich in vielen Ländern Afrikas aus einer sinnvollen sofort Hilfe in einer Krisensituation eine dauerhafte finanzielle Unterstützung entwickelt. Für viele Menschen gerade in den ländlichen Regionen war es viel einfacher die Mail und Reisrationen der UN kostenlos in Empfang zu nehmen als ich bei tropischen Temperaturen auf den Fildern um den Anbau zu kümmern. Kein Wunder dass dann die Arbeitsplätze fehlen, Nahrungsmittel weiterhin knapp werden und gerade die jungen kräftigen arbeitsfähigen Männer auch aufgrund besonderer kulturelle Eigenheiten, es vorziehen sich auf den sicherlich beschwerlichen Weg nach Europa zu machen, statt in ihrem eigenen Land an dem wichtigen Aufbau ihres Landes mit zu arbeiten. Meine persönlichen Kontakte und Erfahrungen mit Frontex haben mir bestätigt, dass nur eine sehr kleine Anzahl von Frauen mitkommen dürfen, um uns in Deutschland und Europa zu suggerieren, es würde sich doch um Flüchtlinge handeln. Viel mehr spielen genau diese vermeintlich gemeinnützigen Organisationen den Schleppern zu und unterstützen dadurch erst recht, die vielen Todesfälle im Mittelmeer. Wie man weitere Todesfälle in diesem Jahr vermeiden, ist die einzig sinnvolle Maßnahme, keine dieser angeblichen Flüchtlinge weiter in Europa aufzunehmen. Von den hier in Deutschland und aus Europa ausgegebenen Milliarden an Eurogeldern sollten viel mehr die Schaffung von Arbeitsplätzen in afrikanischen Ländern durch eine geänderte Entwicklungspolitik verwendet werden. Ich unterstütze konkrete Projekte, die genau dies zum Ziel haben .

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