Die „Macronie“ mobilisiert ihre letzten Truppen

Und wieder eine Regierungsumbildung in Paris. Das passiert jetzt so häufig, dass sich kaum noch jemand in Frankreich dafür interessiert. Die „Macronie“ ist vorbei, sie merkt es nur noch nicht.

Die wegen öffentlicher Lügen und Inkompetenz gefeuerte Bildungsministerin Amélie Oudéa-Castéra darf trotzdem Sportministerin bleiben. Eine unerträgliche Vetterleswirtschaft in Paris. Foto: Web Summit / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(KL) – Yo, und wieder eine Regierungsumbildung in Paris. So richtig interessiert sich kaum noch jemand in Frankreich für diese xte Regierungsumbildung, zumal man merkt, dass es der „Macronie“ nur darum geht, ihren treuen Vasallen ein möglichst schönes Leben zu bescheren. Mit satten Diäten (die kurz vor dem Jahreswechsel von denjenigen erhöht wurden, die ansonsten ihre Landsleute aufrufen, den Gürtel enger zu schnallen…) und, undenkbar in anderen Ländern, mit „Trostpreisen“ für diejenigen, die beim besten Willen nicht mehr zu halten sind.

Der Wechsel, der am meisten Aufmerksamkeit brachte, war die Entlassung der Bildungsministerin Amélie Oudéa-Castéra, die in den 28 Tagen ihrer Amtszeit vor allem dadurch auffiel, dass sie dreist log und die Ansicht vertrat, dass sie mit 45.000 € pro Monat im Nebenjob als Präsidentin des französischen Tennisverbands unterbezahlt war. Doch speziell ihre Lügen zur öffentlichen Schule, deren Interessen sie als Bildungsminister vertreten sollte, hatten die Frau untragbar gemacht. Aber sie erhielt einen hübschen Trostpreis – sie behielt ihre Ministerien für Sport und die Olympischen Spiele. Merke – Inkompetenz und ein schlechter Charakter sind kein Hindernis für Ministerposten in der „Macronie“. Die Vetterleswirtschaft in Paris gibt sich nicht einmal mehr Mühe, ihr Gechinche und ihre Manipulationen zu verbergen…

Zurück in Amt und Würden ist auch Franck Riester, einst vom Hof gejagt und nun verantwortlich im Europaministerium für den Außenhandel, die Frankophonie und die Auslandsfranzosen.

Oder der neue Minister für Wohnungsbau, der völlig unbekannte Guillaume Kasbarian, dem man auch nur viel Glück wünschen kann. Er wird es nötig haben…

Klar ist nur, dass die „Macronie“ auf dem letzten Loch pfeift und ihr nicht nur die Ideen, sondern vor allem die Mitstreiter ausgehen. Dazu wird derartig deutlich, dass in Paris keine Krähe einer anderen ein Auge aushackt, dass sich niemand darüber wundern darf, dass die Macron-Partei „Renaissance“ momentan in den Umfragen zur Europawahl unter 20 % liegt – doch das haben bislang weder Präsident Macron, noch sein Kronprinz Gabriel Attal gemerkt, die weiterhin davon schwafeln, dass sie das Land mit „Wohlwollen“ regieren.

Nur – in einem demokratischen Land sind die Bürgerinnen und Bürger nicht auf das „Wohlwollen“ ihrer Regierung angewiesen. Die ist nämlich per Definition der erste Angestellte des Volks und ihre Aufgabe ist es, den Wunsch der Mehrheit ihrer Bevölkerung umzusetzen. Doch das hat man unter Emmanuel I. geflissentlich vergessen und es läuft nun alles darauf hinaus, dass diese angeschlagene Regierung sich nur noch irgendwie durch die Olympischen Spiele hangeln wird, bevor dann das Parlament aufgelöst wird und es Neuwahlen gibt. Denn bis 2027 kann dieses Trauerspiel nicht mehr weitergehen.

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