Die Mannschaft ist eine Frau

Der Spieltag 1 nach der ersten Heimniederlage in der Gruppenphase der Champions League: am Dienstag trifft SIG Strasbourg auf den Tabellenletzten aus Ljubljana. Leichtes Spiel? Schon Oostende kam vor drei Wochen als Letzter und ging als Sieger vom Platz...

Gegen Oostende ging's schief - hoffentlich läuft's gegen Ljubiljana besser... Foto: SIG Strasbourg / D. Brault

(Von Michael Magercord) – Da saß der Sieger – und meinte, er müsse sich verteidigen. Er tat das mit einem mehr oder weniger versteckten Kompliment – und entschuldigt sich: Auf der Pressekonferenz nach dem Gruppenspiel in der Basketball Champions League in Straßburg vor drei Wochen sah sich der Gästetrainer Dario Gjergja kritischen Fragen zur Qualität seiner Mannschaft ausgesetzt und wagte einen charmanten Vergleich.

Zuvor hatte seine Mannschaft einen unerwarteten Sieg gegen die viel höher eingeschätzte elsässische Heimmannschaft errungen. Allerdings hat seine Mannschaft das Spiel in den letzten Minuten ziemlich wacklig gestaltet. Ein mitgereister belgischer Journalist bemängelte die niedrige Qualität der Belgier. Der kroatische Trainer gab zu, dass der ein oder andere seiner Spieler etwas dumm und naiv seien. Das dürfe er auch so sagen, erlaubt er sich selbst, denn die so Bezeichneten seien nun einmal „seine“ Jungs. „Qualität ist etwas, das man nicht ersetzen kann. Man hat sie oder hat sie nicht“, sagt der Trainer. Und man hat sie, bilanziert er, bei SIG Straßburg, dem stärkstem Team der Gruppe D der Champions League.

Danke, Herr Gästetrainer, aber so rosig, wie es noch vor Wochen schien, ist es auch in Straßburg nicht. Die Niederlage zuvor in Bologna und dann diese Heimschlappe gegen Oostende, dazu auch noch eine weitere in der Liga gegen Nanterre – da kommt man ins Grübeln. Immerhin der Auswärtssieg am letzten Samstag bei Boulazac lässt wieder an die Qualität der Mannschaft glauben.

Und auch der belgische Journalist ließ nicht locker: wie man denn die fehlende Qualität einer Mannschaft wie jener aus Oostende erhöhen könne, wollte er wissen. Und da offenbarte deren Trainer das Geheimnis, warum auch Scheinriesen einmal ein Riesenspiel machen können: „Ja, meine Jungs sind dumm und naiv, aber ich sage ihnen jeden Tag, dass sie die besten der Welt sind“. Und glauben die das? „Natürlich, denn ich behandele sie auch jeden Tag so, als seien sie die besten der Welt“.

Und weil Journalisten nun einmal schwer von Kapee sind, bekamen sie vom 43 Jahre junge Trainer eine Lektion erteilt, wie es im Sport läuft mit der mentalen Motivation. Und weil sich das nun mal am besten an einem Vergleich aus dem echten Leben erklären lässt, nahm er sich als Vergleichsgegenstand die Pressebetreuerin von SIG Strasbourg: „Schauen Sie sich diese hübsche junge Frau an, wenn sie meine Freundin wäre, würde ich ihr jeden Tag sagen, sie sei die schönste Frau der Welt, und weil ich sie so behandeln würde, würde sie das auch glauben“.

Wer es jetzt immer noch nicht kapiert hat, wie das mit der Motivation läuft, dem ist nun nicht mehr zu helfen. Und klar: so charmant, wie er seine Erklärung vortrug, hat er sich sogleich bei dem Objekt seiner Lehrstunde entschuldigt. Wer sich nun dennoch fragt, ob der Mann überhaupt diesen Vergleich zwischen einer Mannschaft und einer jungen Frau anstellen dürfe, der wäre dann auch nicht mehr helfen.

Doch wie auch immer – nun kommt der nächste Gegner in der Basketball Champions League ins Elsass. Wieder ist es der derzeitige Tabellenletzte, und dieses Mal kommt nicht nur der Trainer vom nördlichen Balkan, sondern die ganze Mannschaft hat dort ihr Zuhause. Mal sehen, ob sie ebenso motiviert sind – oder charmant…

SIG Strasbourg – Olimpija Ljubljana
DI, 11.12. – 20.30 Uhr in der Rhenushalle

Informationen und Tickets unter: www.sigstrasbourg.fr

Nächsten Heimspiele der SIG Strasbourg:

17.12. – 20.45 Uhr – Elan Chalon (franz. Liga)
26.12. – 18.00 Uhr – Chalon Reims (franz. Liga)
08.01. – 20.30 Uhr – Besiktas (BLC)
15.01. – 20.30 Uhr – Klaipeda (BLC)
19.01. – 20.00 Uhr – Bourg-en-Bresse (franz. Liga)

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