Gut und Gerne – Der gute Mensch von Sezuaburg

Heute bemüht Autor Mats Meeussen sogar Bertolt Brecht für seine wie immer nicht nur auf das Essen fokussierte Gastronomie-Kritik!

Der "Passeport Gourmand" spart Geld und ist ein Instrument der real gelebten Solidarität! Foto: Mats Meeussen / CC-BY-SA 4.0int

(Von Mats Meeussen) – Als die Initiative „J’aime mon bistrot“ aufkam, warnte mich sehr freundlich ein Mensch, nennen wir ihn den guten Menschen von Sezuaburg: Wenn man dort Gutscheine erwerbe, um seine Lieblingsgaststätte vor einer Pleite zu bewahren, gefährde man sein eigenes Vermögen, hier also: mein ganz, ganz eigenes, denn die Insolvenz einiger Restaurants stünde nun mal bevor. Egal wie Sie dazu stehen, es gibt noch andere Möglichkeiten.

Wenn ich diese Person den guten Menschen von Sezuaburg nenne, tue ich das aus zwei Gründen. Seine Identität schützen. Außerdem: in vielen Fragen denkt dieser Mensch äußerst sozial, ich kenne ihn gut. Trotzdem hielt ich mich nicht an den Ratschlag, vielmehr empfahl ich Ihnen, werte Leserinnen und Leser, in einem Artikel genau diese Initiative.

Aber, wie eigentlich immer, es gibt nicht nur weiß und schwarz. Der Ratschlag, so kleinmütig ich ihn fand, hat selbstverständlich seine Berechtigung, wenn man selbst in einer Lage ist, in der man schauen muss, wie man finanziell über die Runden kommt. Da kann man nicht einfach Geld potentiell in den Wind schießen. Wer es sich aber irgendwie leisten kann, möge dies doch tun, ob unter jaimemonbistrot oder anderweitig. Ohne Solidarität wird es nicht gehen.

Übrigens, ein anderer, durchaus sympathischer, aber eher egoistischer Mensch sagte mir fast zeitgleich: „Klar mach ich da was, das wird ja sonst furchtbar für mich, wenn da draußen alles pleite geht!“. Es ist aber auch nicht leicht mit weiß und schwarz!

Nun aber fand ich gestern in meinem Briefkasten eine vermittelnde Lösung, wenn Ihnen das mit dem „J’aime mon bistrot“ und ähnlichen Guthaben zu wild ist oder wenn Sie noch etwas risikolos obendrauf legen möchten. Dort lag ein Schreiben vom „Passeport Gourmand“, über den ich ohnedies einmal schreiben wollte.

Man kauft ein Büchlein, in dem zahlreiche Restaurants (und sogar andere Lustbarkeiten) gelistet sind. In den Restaurants kann man nach Voranmeldung einmal mit Rabatt satt essen gehen. Die Idee dahinter: Neue Restaurants dank des Rabatts mit eingeschränktem finanziellen Risiko kennenlernen, bei Gefallen wiederkehren und dann voll zahlen. Es weiterempfehlen.

Gut für die Gäste, gut für die Restaurants. Kein Risiko, komplett auf seinem Geld sitzen zu bleiben. Am Rande, ich selbst habe schon das eine oder andere Restaurant, über das ich berichtete, so kennengelernt.

Und es kommt noch besser: das Büchlein gilt nicht nur ein Jahr lang, sondern bis Ende 2021, selbst wenn man es jetzt kauft. Dazu gibt es derzeit besondere Konditionen, wie etwa Verzicht auf Versandkosten.

Richtig gut gefallen hat mir aber auch, dass in dem Schreiben stand, man solle den Restaurants zuliebe mit Bedacht davon Gebrauch machen, den Passeport also besonnen nutzen und nicht etwa zu Stoßzeiten mit vier Personen den Rabatt reservieren. Stichwort „Indulgence“ (Nachsicht).

Außerdem ein Appell an jene, die es sich leisten können: großzügig sein. Freundlich sein. Trinkgeld geben. Ordentlich Getränke (vom Rabatt ausgeschlossen) bestellen. Stichwort „Générosité“ (Großzügigkeit).

Soweit das Schreiben. Von mir noch: Selbst wenn Ihnen manche Hygienemaßnahmen stinken mögen, die Restaurateure können schon gar nichts dafür. Und nochmals: Es ist eben nicht alles weiß und schwarz, gut oder böse. Das war schon beim guten, alten Menschen von Sezuan so. Stichwort „Respect et Tolérance“ (Respekt und Toleranz).

Zu guter Letzt: Tous solidaires! (Alle solidarisch miteinander).

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